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Erklärung
der II. Friedensgruppe der PKK
28.10.1999
Kurz vor dem
Übergang in das Jahr 2000, stehen wir in einer großen
Verantwortung und geben mit großer Freude, um Mesopotamien
und Anatolien als Wiege der Zivilisation erneut seine Bedeutung
zukommen zu lassen, diese Erklärung ab. Denn Kurden, Türken
und alle anderen Staatsbürger der Türkei haben dies reichlich
verdient. Im Bewußtsein, dass diese Zukunft nicht weit entfernt
ist, möchten wir unseren Stolz darüber mit dem türkischen
Volk teilen.
Es scheint, dass die in einem seit über 150 Jahren andauernden
demokratisch-gesellschaftlichen Kampf gewonnenen kulturellen, sozialen
und wirtschaftlichen Erfahrungen des türkischen Volkes, im
Übergang zum Jahre 2000 von Demokratie gekrönt werden.
Hierbei wollen auch wir unseren Beitrag leisten und uns für
dieses große Ziel einsetzen. Denn auch die PKK ist ein Teil
dieses 150jährigen Zivilisationskampfes und daher wäre
es undenkbar, sie losgelöst von dieser Geschichte zu betrachten.
Die PKK hat in bester Absicht und von ihrem Standpunkt ausgehend
versucht, einen Beitrag für diesen Prozess zu leisten. In seiner
Verteidigung äußerte unser Vorsitzender Abdullah Öcalan
den Wunsch, durch eine demokratische Lösung die Einheit mit
der Türkei zu entwickeln. Dies entspricht unserem Bestreben
und ist ein natürliches Ergebnis der Geschichte.
Die internationale Gemeinschaft hat viel aus dem Leid der vergangenen
Konflikte gelernt. Aber auch der Kampf für ein besseres Leben
hat dem Menschen viele wertvolle Erfahrungen gebracht. Aufgrund
dieser Erfahrungen haben wir uns für Demokratie entschieden
und gehen dem neuen Jahrhundert mit Siegesbewußtsein entgegen.
Bereits jetzt wird deutlich, dass niemand, egal welcher ideologischer
Herkunft, ohne die Aneignung demokratischer Maßstäbe
im neuen Jahrhundert seine Existenz fortführen kann. Trotz
der Kämpfe und dem Leid bereitet sich die Türkei, ausgehend
von den wichtigen Erfahrungen ihrer Geschichte, auf die von der
internationalen Gemeinschaft entwickelten demokratischen Standards
und somit auf den Eintritt in das 21. Jahrhundert vor.
Unser Parteivorsitzender hat die Notwendigkeit zur Beendigung des
Krieges und die Verspätung dieses Schrittes mehrmals betont.
Unsere Partei hat die realistische, vorausschauende und verantwortungsvolle
Haltung unseres Vorsitzenden, mit der Einstellung des bewaffneten
Kampfes und dem Rückzug der Einheiten aus dem Kriegsgebiet
beantwortet. Unsere Partei erklärte gegenüber der Weltöffentlichkeit,
dass ihr Entschluß strategischen Charakter hat und nicht beabsichtigt,
den bewaffneten Kampf erneut aufzunehmen. Deshalb erachten wir es
nochmals als notwendig zu betonen, dass Behauptungen, es würde
sich dabei um eine "taktische Annäherung" handeln,
nicht der Wahrheit entsprechen.
Wir sind uns darüber bewußt, dass die bewaffneten Auseinandersetzungen
und das daraus resultierende Leid ein Vertrauensproblem geschaffen
haben. Dafür haben wir Verständnis. Aber wir glauben auch,
dass die von uns unternommenen Schritte zu positiven und konstruktiven
Entwicklungen geführt haben.
Das von unserem Vorsitzenden formulierte Projekt einer demokratischen
Republik gab dem kurdischen Volk und all denjenigen, die an einer
Entwicklung einer neuen Zukunft für die Türkei interessiert
sind, einen Anstoss für intensive Diskussionen. Mit der beharrlichen
Forderung nach Frieden und Demokratie, wurden Staatspräsident
Süleyman Demirel, Ministerpräsident Bülent Ecevit
und Parlamentspräsident Yildirim Akbulut, mit großer
Interesse vom kurdischen Volk in Diyarbakir empfangen. Dies war
ein deutliches Beispiel dafür, wie gross die Notwendigkeit
für Frieden und Demokratie ist. Diejenigen Kräfte, die
durch die positiven Entwicklungen dieser Phase beunruhigt wurden,
auf den Krieg und die Verleugnungspolitik beharren, versuchen mit
Sabotagen und Provokationen die Entwicklungen zu behindern. Deshalb
soll die Rückkehr in die Türkei unsere Entschlossenheit
zum Ausdruck bringen.
Die Kurden, als eigentliche Mitbegründer der Republik, wurden
in der traditionellen 75jährigen Politik aus dem System ausgeschlossen.
Die Grundrechte und Freiheiten wurden den Kurden mit Gewalt entzogen
und ihre Sprache verboten. In einer demokratischen Republik sind
die Ausübung der Grundrechte und Freiheiten grundsätzlich.
Mit unserer Rückkehr möchten wir einen Beitrag für
die Umgestaltung der Republik und das notwendige freie, sowie gleichberechtigte
Zusammenleben des türkischen und kurdischen Volkes leisten.
Nachdem eine achtköpfige bewaffnete Guerillagruppe dem Aufruf
unseres Vorsitzenden vom 22. September folgte , werden auch wir,
als eine Gruppe aus Europa, unseren Beitrag für die demokratische
Republik leisten und am 29. Oktober, dem Jahrestag der Gründung
der türkischen Republik, in die Türkei zurückkehren.
Wir wünschen, dass der 76. Jahrestag der Republik, der Beginn
des Aufbaus einer demokratischen Republik und der Beginn von demokratischen
Reformen sein wird. Daher halten wir es für erforderlich, alle
Betroffenen aufzurufen, das Notwendige für die Beseitigung
der Hindernisse für eine Entwicklung von Demokratie und Frieden
zu tun, sowie alle erforderlichen Anstrengungen für eine Umgestaltung
zu unternehmen.
Des weiteren rufen wir alle Regierungen und die Öffentlichkeit
dazu auf, in den Gesprächen über die EU-Beitrittskandidatur
der Türkei einen positiven Beitrag für Demokratie und
Frieden zu leisten.
Haydar Ergül
Vertreter der 2. Friedensgruppe der PKK
28. Oktober 1999"
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