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Dokumentation
der KADEK-Deklaration vom 22. November 2002
Internationale Initiative
Freiheit für Abdullah Öcalan - Frieden in Kurdistan
Pf.: 100511, D-50445 Köln
E-Mail: info@freedom-for-ocalan.com
Url: www.freedom-for-ocalan.com
Internationale
Initiative Briefings:
Mit seiner
"Offensive des Lächelns" hat der AKP-Vorsitzende
Tayyip Erdogan bei einigen Regierungschefs der Mitgliedsstaaten
der Europäischen Union Hoffnungen auf weitergehende demokratische
Reformen in der Türkei geweckt. Ein deutliches Zeichen der
Würdigung bereits eingeleiteter Reformen beim EU-Gipfel in
Kopenhagen am 12. Dezember ist wahrscheinlich geworden. In einem
Aktionsplan hat die neue Regierung der Türkei ihre dringlichsten
Vorhaben vorgelegt. Bei genauer Betrachtung lässt sich jedoch
feststellen, dass die ungelöste kurdische Frage mit keinem
Wort erwähnt ist. Nur diffus wird von der Schaffung eines Bewusstseins
für die kulturelle Vielfalt gesprochen. Zu wenig, meinen die
Kurden in der Türkei. Ist es doch die ungelöste kurdische
Frage, die als ein Haupthindernis für die Demokratisierung
der Türkei gilt. In Gegenzug zum Aktionsplan hat nun der Freiheits-
und Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) am 22. November 2002 in
einem eigenen Aktionsplan die kurdischen Vorstellungen von einer
Lösung des Problems dargelegt. So will der KADEK diese Forderungen
als nicht diskutierbar verstanden wissen. Sollte die neue Regierung
nicht auf die Forderungen eingehen bzw. keine wirklich substanziellen
Reformen durchführen, würden zwangsläufig die Spannungen
wieder zunehmen, was selbst eine neue bewaffnete Konfrontation nicht
ausschließt. Untenstehend dokumentieren wir den Forderungskatalog
des KADEK:
Dringlicher
Aktionsplan
für eine demokratische Lösung
Am 3. November
2002 wurde in der Türkei gewählt. Diese Wahl fand in einer
Zeit statt, in der die Türkei im Inneren, in der Region und
in den Beziehungen zur EU eine schwierige Phase durchlebt. Da die
alte Regierung keine Lösungungen für die vorhanden Probleme
finden konnte, war die Wahl unumgänglich geworden. Grund dafür
war das überholte Denken bei Regierung und Opposition, das
den Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gerecht wurde. Auch wenn
in einigen Bereichen positive Schritte unternommen wurden, fehlte
dennoch der Wille, ein Reformprogramm umzusetzen, das die Stagnation
hätte überwinden können.
Das Ergebnis
der Wahl vom 3. November 2002, bei der die Regierungs- und Opositionsparteien
nicht mehr ins Parlament einzogen, war eine Absage an diese Politik.
Dieses Resultat ist nur natürlich, wenn man Politik als Kunst
der Lösungsfindung begreift. Das Stimmverhalten hat gezeigt,
dass das Volk diese Auffassung teilt. Die Antwort des Volkes war
angemessen.
Die Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) ging aus der Wahl
als Sieger hervor. Sie zog den Nutzen aus den Errungenschaften,
welche im Jahrzehnte währenden Kampf für die Überwindung
des Systems und seiner Parteien von den linken und demokratischen
Kräften errungen wurden. Vor allem der Kampf der kurdischen
demokratischen Bewegung hatte verdeutlicht, dass das gegenwärtige
System nicht mehr den Bedürfnissen der Türkei gerecht
wird. Dies führte auch dazu, dass sich eine Neustrukturierung
der Türkei gemäß ihrer sozialen und kulturellen
Realität förmlich aufdrängt. Somit ist die Überwindung
des überkommenen politischen Establishment nicht der Erfolg
der AKP, sondern derjenigen demokratischen Kräfte, die sich
über Jahrzehnte hinweg für eine Überwindung des alten
Systems eingesetzt haben. Nur wer das Wahlergebnis so zu deuten
vermag, wird in Zukunft seine politische Rolle in der Türkei
ausfüllen können.
Dass dies die
AKP nicht so sieht, lässt sich aus dem dringlichen Aktionsplan
rückschliessen, den die neugegründete Regierung jüngst
der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Mit keinem Wort wird dort
auf die kurdische Frage eingegangen, die das Hauptproblem der Türkei
darstellt. Vielmehr beschränkt man sich darauf, das Problem
zu ignorieren. Es scheint, als hätte die AKP die Auffassung
derer übernommen, die das kurdische Problem auf ein rein ökonomisches
Problem reduziert wissen wollen.
Dass die Türkei
vor schwerwiegenden ökonomischen Problemen steht ist allseits
bekannt. Dass insbesondere das kurdische Volk in größter
Armut lebt ist auch allseits bekannt. Dieses Problem lösen
zu wollen, ohne spezielle Programme und größerer finanzielle
Ressourcen einzusetzen, ist eine bewusste Irreführung. So konnten
wir in der Vergangenheit schon mehrfach Zeuge dieser Täuschungsmanöver
werden. Vielmehr wird der größte Teil der finanziellen
Ressourcen durch einen undemokratischen Staat verschlungen.
Es ist nicht
zu leugnen, dass diejenigen Politiker, die die schwerwiegende ökonomische
Krise zu verantworten und das Volk in einen Schuldensumpf gestürzt
haben, dieselben Politiker sind, welche die kurdische Frage nicht
zu lösen vermochten. Die gegenwärtige ökonomische
Katastrophe ist weniger das Produkt einer verfehlten Wirtschaftspolitik
als das Produkt einer Strategie der Verleugnung, die das Hauptproblem
des Landes nicht lösen konnte. Ohne diese Einsicht wird keine
Politik die schwerwiegenden politischen, ökonomischen, sozialen,
kulturellen und diplomatischen Probleme des Landes lösen.
Nur durch ein
bewusstes Schüren von nationalem Chauvinismus und mit dem Versprechen,
die kurdische demokratische Bewegung zu vernichten, kamen diejenigen
Parteien an die Macht, die nach der Wahl vom April 1999 die Regierung
bildeten. Die parlamentarische Opposition versuchte die Regierung
in ihrer kurdenfeindlichen Politik zu übertreffen. So wurde
auf Vernichtung statt auf eine Lösung gesetzt.
Unser Vorsitzender
Abdullah Öcalan sah die Gefahr und Ausweglosigkeit, die von
einem möglichen Rachefeldzug und Vernichtungskrieg ausgehen
würde. Statt dessen thematisierte er eine demokratische Lösung.
Unser Volk und wir als Vertreter der nationalen demokratischen Bewegung
folgten dieser Politik und unternahmen die hierfür notwendigen
Schritte. Trotz verschiedener kriegerischer Provokationen von Kreisen
in und außerhalb der Regierung hielten wir an unserer Position
der legitimen Selbstverteidigung fest. Mit ausschließlich
demokratischen Methoden versuchten wir unsere neue Linie umzusetzen,
die sich an einem freien Zusammenleben der Völker in Einheit
orientiert. Auch unser Volk bewies bei den alljährlichen Newrozfeierlichkeiten,
dass es an einer demokratischen Einheit und geschwisterlichen Lösung
festhält.
Die von der
kurdischen demokratischen Bewegung und dem kurdischen Volk der Türkei
unterbreiteten rationalen Lösungsvorschläge stellen eine
große Gelegenheit dar. Leider wurde dies von der Regierung
und von anderen staatlichen Kräften als Schwäche unsererseits
ausgelegt. So glaubten sie, dass die kurdische demokratische Bewegung
besiegt sei, was eine vordringliche Beschäftigung mit dem Problem
überflüssig mache. Vielmehr meinte man, dass sich das
Problem mit der Zeit selbst lösen würde und man verlegte
sich auf eine Zermürbungspolitik. Dies war jedoch der Anfang
vom Ende der Regierung.
So waren die
von uns unterbereiteten Lösungsvorschläge eine historische
Chance für die damalige Koalitionsregierung. Hätte sie
in der kurdischen Frage ernsthafte Schritte für eine Lösung
unternommen, wäre ihr das jetzige Schicksal erspart geblieben.
Vielmehr hätte sie auf eine lange Zeit hinaus ihre Position
behaupten und die türkische Politik leiten können. Auch
wenn einige der gemachten Schritte für die Türkei wichtig
erscheinen, konnte dies die Koalitionsregierung nicht vor ihrem
Ende bewahren, da sich diese nicht an einer Demokratisierung und
Lösung sondern vielmehr an einer Hinhaltepolitik orientierte.
Indes hat der Umgang mit dem Kurdischunterricht gezeigt, dass keine
ernsthafte wirkliche Veränderung zu erwarten war.
Auch wenn unsere seit mehr als drei Jahren betriebene Politik nicht
adäquat genutzt worden ist, hat sie dennoch einige positive
Voraussetzungen für eine Lösung geschaffen.
Insbesondere das Festhalten des kurdischen Volkes an einer demokratischen
Lösung und eine relative Abnahme der Vorurteile und des Misstrauens
auf der Seite der Türkei sind hier zu nennen. Sollte diese
Grundlage ausreichend genutzt werden, lassen sich in den nächsten
Monaten hinsichtlich einer Lösung des Problems wichtige Fortschritte
erzielen. Ob die neue Regierung die sich ihr bietende Chance nutzt
wird sich zeigen. Die Gelegenheit dazu ist noch nicht vertan. Wenn
sie will, können die Fehler der letzten drei Jahre überwunden
und eine konstruktive Politik entworfen werden.
Der Freiheits-
und Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) wird sämtliche diesbezüglichen
Initiativen unterstützen. Weiterhin werden wir alles unternehmen,
was eine Lösung erleichtert. Diese Haltung werden wir solange
einnehmen, bis sich die Richtung der Regierungspolitik geklärt
hat.
Nicht nur die
kurdische Frage, sondern auch sämtliche Probleme der Türkei
sind für den KADEK von Belang. Weiterhin sind wir bereit, unseren
Beitrag zur Demokratisierung der Türkei und der Entwicklung
einer Sozialpolitik zu leisten. Aus dem selben Grund haben wir die
Bewegung für Arbeit, Frieden und Demokratie bei den Wahlen
am 3. November 2002 unterstützt.
Weder der KADEK
noch seine Selbstverteidigungskräfte bilden für die Türkei
eine Bedrohung, sondern stellen vielmehr einen konstruktiven Faktor
für die Demokratisierung und Bewältigung der wichtigsten
Probleme dar. Durch unseren dreißigjährigen Kampf hat
sich das kurdische Volk zu einer demokratischen Kraft entwickelt.
Somit ist es für die Modernisierung der Türkei eine wertvolle
Stütze. Anstatt ihm Misstrauen entgegenzubringen, sollte man
mit ihm zufrieden sein. Die Haltung des kurdischen Volkes, die bei
den Wahlveranstaltungen zum Ausdruck kam, ist geeignet sämtliches
unbegründetes Misstrauen zu zerstreuen. Auch der Wunsch, nach
dem 3. November seine demokratische Vertretung im Parlament zu sehen,
bestätigt diese Haltung.
Diejenigen Kräfte, die in der Türkei Stabilität wollen,
werden sich mit der Situation des kurdischen Volkes auseinandersetzen
müssen. Mit der Verleugnung des kurdischen Volkes wird keine
Stabilität zu erreichen sein. Jede Politiker, welcher dieses
Problem übergeht, wird in kurzer Zeit feststellen, dass er
sich auf einem Krisenterrain bewegt.
Das kurdische
Volk gibt der Türkei ausreichend Gelegenheit zur Schaffung
von Stabilität. So hat die kurdische demokratische Bewegung
ihren bewaffneten Kampf eingestellt und ihre Verbände auf Territorien
außerhalb der Türkei zurückgezogen. Weiterhin hat
sie die politische Einheit der Türkei mehrmals anerkannt. Mehrfach
hat sie betont, dass es im Interesse der Kurden ist, im Rahmen einer
demokratischen Republik zusammenzuleben. Dies kam unter dem Motto
"Weder Verleugnung noch Separatismus" zum Ausdruck. In
Anbetracht dieser Realität besteht für den türkischen
Staat und seine Regierung kein Grund mehr, einer Lösung der
kurdischen Frage auszuweichen.
Wäre der
Einzug des Block für Arbeit, Frieden und Demokratie in das
Parlament nicht durch bürokratische Hürden und anderweitige
Behinderungen bei der Wahl verhindert worden, hätte er als
Teil der politischen Landschaft der Türkei eine konstruktive
Politik der Aussöhnung vorantreiben und eine positive Rolle
hinsichtlich der demokratische Einheit des Landes spielen können.
Auch wenn demokratischen, kurdischen und türkischen, linken
Kräften der Einzug in das Parlament verwehrt blieb, werden
sie dies dennoch mit demokratischen Methoden auf der Tagesordnung
der Türkei lebendig halten. Weiterhin bleiben sie sich ihrer
Verantwortung als Fundamentalopposition bewusst und werden mit demokratischem
Verständnis ihren Beitrag dazu leisten, dass bei der Bewältigung
der Probleme in der Türkei eine richtige Politik verfolgt wird.
Auch wenn das
überkommen Denken der alten politischen Garde überwunden
scheint, zeichnet sich dennoch kein neues Denken ab. Das Regierungsprogramm
der AKP macht wenig Hoffnung für die Zukunft. Trotz dieser
Tatsache möchten wir in untenstehender Deklaration unsere Erwartungen
an die neue Regierung unterbreiten., um so zu sozialer Stabilität
und zur Demokratisierung der türkischen und kurdischen Gesellschaft
beizutragen. Sollten die im dringlichen Aktionsplan der Regierung
enthaltenen Irrtümer behoben werden, lässt sich der politische
Misserfolg noch vermeiden. Andernfalls wird die neue Regierung das
Schicksal der vorherigen teilen.
Wenn die Regierung
ihre Legitimität gegenüber unserem Volk aufrechterhalten
will, erwarten wir folgende, ohne Verzögerung zu unternehmende
Schritte:
1. Wir betrachten
unseren Vorsitzenden Abdullah Öcalan als Garantie für
Frieden und Demokratisierung. Seine Lebens- und Kommunikationsbedingungen
müssen umgehend verbessert werden.
Deshalb fordern
wir:
a- die Aufhebung
der Isolationsbedingungen unseres Vorsitzenden. Entweder wird für
seine Sicherheit in einem anderen Gefängnis gesorgt oder aber
andere politischen Gefangene zu ihm verlegt.
b- uneingeschränkten Besuch von seinen Anwälten, seiner
Familie und von Vertretern ziviler Institutionen sowie die Möglichkeit
zu uneingeschränkter Kommunikation.
c- die Möglichkeit zum uneingeschränkten Gebrauch von
TV und Radio, freien Bezug der Tagespresse und keine Begrenzung
von Literatur.
d- dass den Gesundheits- und Ernährungsbedürfnissen unseres
Vorsitzenden entsprochen wird. Eine diesbezügliche Unterstützung
von Anwälten und Familie darf nicht behindert werden.
e- das Recht auf freie Veröffentlichung seiner Verteidigung
und anderer schriftlicher Beiträge. Die freie Äußerung
und Verbreitung seiner Gedanken darf nicht behindert werden.
f- keine Behinderung von Kampagnen des Volkes und von zivilgesellschaftlichen
Institutionen, welche sich für die Freiheit unseres Vorsitzenden
einsetzen.
2. den Erlass
einer Generalamnestie für alle politischen Gefangenen. Weiterhin
fordern wir die Freilassung unseres Vorsitzenden und die Möglichkeit
der Beteiligung für ihn und alle anderen politischen Gefangenen
am politischen Leben. Hierfür muss eine gesetzliche Grundlage
geschaffen werden, die eine Demokratisierung ermöglicht. Weiterhin
muss auf die F-Typ Gefängnisse verzichtet werden, in denen
sich eine menschliche Tragödie abspielt. Stattdessen muss zu
einem System übergegangen werden, dass den menschlichen, sozialen
und kulturellen Bedürfnissen der Insassen entspricht.
3. den Erlass
eines Gesetzes, dass den Guerillakräften und den politischen
Flüchtlingen die Rückkehr in das zivile und politische
Leben ermöglicht.
4. die Bestrafung
der Täter und Auftraggeber, die sich an extralegalen Hinrichtungen
beteiligt haben.
5. das Recht
auf freie Rückkehr der Menschen, die gewaltsam aus ihren Dörfern
vertrieben worden sind. Weiterhin muss hier entstandener Schaden
entschädigt und finanzielle sowie soziale Unterstützung
für eine Rückkehr geleistet werden.
6. die Abschaffung
des Dorfschützersystems, die Bereitstellung von finanziellen
Mitteln und die Gewährung sozialer Unterstützung, welche
die Rückkehr in ein ziviles Leben ermöglichen.
7. eine Ausweitung
des am 2. August 2002 verabschiedeten Gesetzes zur Regelung von
muttersprachlichem Unterricht und Fernsehen. Neben der offiziellen
Amts- und Schulsprache Türkisch muss der muttersprachliche
Unterricht gesetzlich verankert werden.
8. die Beseitigung
sämtlicher Hindernisse für die freie Entwicklung der kurdischen
Kultur. Weiterhin fordern wir die dafür notwendige politische,
institutionelle und finanzielle Förderung.
9. die Aufhebung
sämtlicher Verbote für kurdisches Fernsehen und Radio
und kurdische Presse und Bücher. Es darf keine Beschränkungen
und Bestimmungen geben, die nicht auch für türkische Publikationen
in der Verfassung und den Gesetzen festgeschrieben sind.
10. keine Beschränkung
der Meinungs- und Organisationsfreiheit. Hierfür sind alle
notwendigen Gesetzesänderungen vorzunehmen.
11. die Anerkennung
der kurdischen Existenz und Identität in Verfassung und Gesetz,
um so eine vollständige Lösung der kurdischen Frage zu
ermöglichen.
12. eine Beschränkung
der Befugnisse der Zentralgewalt zu Gunsten föderaler Entscheidungsstrukturen
sowie die Stärkung der Befugnisse und Aufgabengebiete von lokalen
Entscheidungsträgern.
13. die Stärkung
des demokratischen Geistes in Staat, Gesellschaft und Politik. Hierfür
muss eine Politik entworfen und Projekte entwickelt werden, die
eine stärkere Beteiligung der Frauen in sämtlichen gesellschaftlichen
Bereichen und ihre gleichberechtigte und freie Beteiligung in der
Politik ermöglichen.
14. eines gesetzliche
und politische Initiative für ein finanzielles und soziales
Sonderprogramm, dass die während des Krieges entstanden Zerstörungen
in Kurdistan und den desolaten Zustand des sozialen und wirtschaftlichen
Sektors behebt.
15. eine gesonderte Sozial- und Finanzpolitik, welche die Verbesserung
der katastrophalen Lage der in den Metropolen lebenden kurdischen
Armen verfolgt.
16. die Bereitstellung von finanziellen und sozialen Programmen,
die allen Armen in der Türkei zu Gute kommen.
17. die Entwicklung von sozialen und kulturellen Projekten sowie
die Gründung von gemeinsamen soziale und kulturelle Institutionen,
welche ein friedliches Zusammenleben des türkischen und kurdischen
Volkes fördern.
18. eine Programmgestaltung im TV und eine Pressegestaltung, welche
die Gesellschaft zum Respekt vor anderen Kulturen und Identitäten
erzieht.
19. eine Überprüfung und Änderung aller Gesetze,
die einer Demokratisierung von Staat, Gesellschaft und Politik im
Wege stehen. Hierbei muss eine auf Mehrheiten basierende aktive
Demokratie angestrebt werden.
20. eine Neuordnung der Entscheidungsstrukturen und bürokratischen
Mechanismen, um diese auf den Dienst am Volk auszurichten.
21. So sehr man sich auch bemüht, die undemokratische Verfassung
von 12. September 1980 zu reformieren, sie wird dennoch keinen demokratischen
Charakter annehmen können. Aus diesem Grund ist eine neue Verfassung
notwendig, die den Bedürfnissen der gesamten Gesellschaft gerecht
wird. Eine solche Verfassung muss sich an den universellen Rechtsprinzipien
orientieren, welche den Menschen und die Umwelt unter ihren Schutz
stellen und die Grundlage eines gesellschaftlichen Friedens sind,
der auch die Interessen der Werktätigen und Armen mit einschließt.
Die von uns
oben aufgeführten Punkte halten wir zur Lösung der kurdischen
Frage und im Sinne einer Demokratisierung für unverzichtbar.
Mit ihrer raschen Umsetzung ließe sich eine wirkliche Stabilität
der Türkei erreichen. Andernfalls wird sich das Spannungs-
und Konfliktpotential weiter verschärfen.
Auch wenn unsere
seit drei Jahren betriebene Politik für eine demokratische
Einheit zu Entwicklungen geführt hat, die nicht unterschätzt
werden sollten, so ist dennoch das latente Konfliktpotential nicht
beseitigt. Immer noch wird eine Zermürbungspolitik betrieben,
die sich unter dem Motto "Weder Krieg noch Frieden " zusammenfassen
lässt, welche 1970 den Beginn unseres Kampfes ausgelöst
hat. In dieser Hinsicht ist die Skepsis unseres Volkes und unserer
Bewegung nicht beseitigt. Dennoch sind wir entschlossen, unserer
Verantwortung gerecht zu werden und weiter an dem eingeschlagenen
Weg festzuhalten, der mit unserer einseitigen Beendigung des Krieges
seinen Anfang nahm. Diesen Weg schlugen wir aus der Überzeugung
ein, dass er den Interessen unserer Völker am meisten nütze.
Deshalb möchten wir die von uns oben aufgeführten Forderungen
für eine demokratische Lösung als Doktrin verstanden wissen,
mit der wir unserer oben genannten Verantwortung nachkommen.
Wenn man sich
vor Augen führt, dass die Demokratisierung der Türkei
noch nicht verwirklicht und dass die Spannungsfaktoren nicht beseitigt
sind, welche die Konfrontation weiterhin aufrechterhalten, stehen
die Regierung und alle anderen Verantwortungsträger vor der
Aufgabe, den oben formulierten Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen.
Hierbei kommt auch allen anderen politischen Parteien, zivilgesellschaftlichen
Organisationen, Medien und internationalen Entscheidungsträgern
eine Verantwortung zu.
Mit den von
uns oben formulierten Forderungen wollen wir einen Beitrag leisten
bei der Erfüllung der Erwartungen, welche die Gesellschaft
gegenüber der neuen Regierung hegt.
Wir erwarten deshalb von der Regierung, dass sie ihrer Verantwortung
nachkommt.
Schließlich
rufen wir das türkische und kurdische Volk auf, diese Deklaration
zu unterstützen und mit demokratischen Aktionen für ihre
Umsetzung zu sorgen.
Präsidialrat
des KADEK
22. November 2002
(Übersetzung:
Internationale Initiative "Freiheit für Abdullah Öcalan
-Frieden in Kurdistan)
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