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Das Recht auf
Verteidigung muss verteidigt werden!
Aufruf
des Demokratischen Rechtsanwaltsverbandes in Italien vom 30. Januar
2001
Internationale
Initiative
Freiheit für Abdullah Öcalan - Frieden in Kurdistan
Internationales Koordinationsbüro
Postfach 100511, 50445 Köln
E-Mail: info@freedom-for-ocalan.com
URL: www.freedom-for-ocalan.com
Köln,
16. Februar 2001
Am 30. Februar
2001 riefen führende Mitglieder des in Rom ansässigen
Demokratischen Rechtsanwaltverbandes zum Protest gegen die Kriminalisierung
der Anwälte Öcalans auf.
Aufgrund einer Erklärung, in der sie eine Äußerung
ihres Mandanten zu der wachsenden Kriegsgefahr in Süd-Kurdistan
(Nord-Irak) wiedergaben, müssen die Anwälte Öcalans
mit einem Strafverfahren wegen "Unterstützung einer terroristischen
Vereinigung" rechnen ( s. a. Pressemitteilung der Internationalen
Initiative vom 30. Januar 2001).
Der Aufruf richtet sich an alle demokratischen Institutionen und
wird u. a. auch von unserer italienischen Sektion unterstützt.
Unterschriften und Solidaritätsschreiben können entweder
per e-mail an die Adresse: uiki.onlus@tin.it oder per fax an die
Nummer: 0039 06 420 13 799 geschickt werden:
"Aufruf
des
Demokratischen Rechtsanwaltverbandes in Italien:
Das
Recht auf Verteidigung muss verteidigt werden!
Am 29. Januar 2001 erschien in der türkischen Tageszeitung
Hurriyet ein Interview mit dem türkischen Innenminister Sami
Türk, in dem er die Einleitung eines Verfahrens nach §
169 (Unterstützung einer terroristischen Vereinigung) gegen
die Anwälte Abdullah Öcalans, Irfan Dündar, Aysel
Tugluk und Mahmut Sakar forderte.
Als Begründung führte er eine Erklärung der Anwälte
Abdullah Öcalans an, in der eine Äußerung ihres
Mandanten über die von einer möglichen Operation türkischer
Soldaten in Süd-Kurdistan (Nord-Irak) ausgehende Kriegsgefahr
wiedergegeben wurde.
Nach Ansicht des türkischen Innenministers hätten die
Anwälte Öcalans gegen die Ethik ihres Berufes verstoßen,
als sie als "Sprachrohr" Öcalans "fungierten"
und müssten dafür bestraft werden. Kurz darauf gab auch
der höchste türkische Staatsanwalt eine Erklärung
ab, in der er unverhohlen mit der Verlegung in eine Dunkelzelle
und anderen Sanktionen drohte.
Es ist erneut deutlich geworden, dass für Abdullah Öcalan
das Recht auf Verteidigung und juristischen Beistand de facto nicht
besteht. So entspricht dies auch der sich allgemein verschlechternden
Lage von politischen Gefangenen in türkischen Gefängnissen.
Anfang Dezember 2000 wurde dort ein gegen die neuen Hochsicherheitsgefängnisse
geführter Hungerstreik blutig niedergeschlagen. Über dreißig
Menschen verloren dabei ihr Leben. Im Verlauf der Zwangsverlegungen
kam es zu schweren Fällen von Folter und Vergewaltigungen.
Die medizinische Versorgung ist Militärärzten übertragen
worden. Das Recht auf Besuche von Anwälten und Familienangehörigen
wurde außer Kraft gesetzt. Versuche der Anwälte, Öffentlichkeit
über die Vorkommnisse herzustellen, werden mit Repressionen
geahndet. Einige Anwälte wurden zeitweilig verhaftet, so auch
die bekannte Menschenrechtlerin und Vorsitzende des Istanbuler Menschenrechtsvereines
(IHD), Eren Keskin. Ihnen drohen nun langjährige Gefängnisstrafen.
Anfang Dezember 1999 wurde der Türkei der Kandidatenstatus
für den Beitritt zur Europäischen Union zuerkannt. Einem
Land jedoch, in dem das demokratische Recht auf Verteidigung nicht
gewährleistet ist, muss der Beitritt verweigert werden.
Wir erklären uns mit all denjenigen Rechtsanwälten solidarisch,
denen eine zufriedenstellende Ausübung ihres Berufes durch
die beschriebenen Vorkommnisse unmöglich gemacht wird. Wir
rufen die internationale Staatengemeinschaft und alle demokratische
Institutionen dazu auf, bezüglich der Garantierung des Rechtes
auf Verteidigung und Unversehrtheit des Lebens von Gefangenen, auf
die Türkei einzuwirken. Des weiteren rufen wir alle demokratisch-engagierten
Juristen dazu auf, gegen die Angriffe auf das Verteidigungsrecht
in der Türkei scharf zu protestieren.
ErstunterzeichnerInnen:
RA Carmine Malinconico, RA Angelo Cutolo, RA Desy Bruno, RA
Enrico Milani, RA Pina Borino, RA Alba Pirrota, RA Marina Papero,
RA Claudia Piccolino, RA Anna Di Feo, RA Nicola Poto
(Übersetzung:
Koordinationsbüro der Internationalen Initiative)
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