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11.
September 2000
Nationales
Friedens- und Einheitsmanifest der PKK
Die Menschheit
beginnt das 21.Jahrhundert damit, daß sie sich noch besser
vorbereitet hat, um für ihre Probleme tragende Lösungen
zu finden. Sie ist daher auf dem Weg, ihre Friedens-, Demokratie
und Freiheitsabsichten, angelehnt an die Errungenschaften des letzen
Jahrhunderts, auf ein entsprechendes Niveau zu heben.
Um nicht noch
einmal in die Spannungen und Kriege zurückzufallen, die im
20. Jahrhundert zu so viel Leiden geführt haben, und um ihre
erhabene Absichten zu realisieren, sieht die Menschheit einzig den
Weg des Dialogs und der Übereinkunft als gangbar an. Sie entwickelt
die Strategie, die Taktik und
die Planung dafür und bewegt sich bei der Lösung ihrer
Probleme
entsprechend.
Diese Situation
bedeutet gleichzeitig den Ausdruck des erreichten Entwicklungsniveaus
der Menschheit. Die gegenwärtige Lage des kurdischen Volks
und die Art, wie es seine nationalen und gesellschaftlichen Probleme
zu lösen versucht, widerspricht jedoch dem sonst auf der Welt
erreichten
Niveau. Wenn bei der Lösung der nationalen und gesellschaftlichen
Probleme die Entwicklung der Menschheit als Maßstab genommen
wird, so ist das kurdische Volk offensichtlich in einer rückständige
Lage. Die Strategie und Taktik seines Kampfes war für die Lösung
nicht ausreichend. Wenn auch der
große Kampf auf dieser Basis zu wichtige Entwicklungen geführt
hat, so hat er doch nicht die nationalen Freiheit und die Lösung
der gesellschaftlichen Probleme erlangt. Als Folge dieser Kämpfe
und den durch sie bedingten Entwicklungen zeigte sich jedoch die
Erfolglosigkeit der nationalistischen Vernichtungs- und Verleugnungspolitik
der herrschenden Staaten und zwang sie
zur Entwicklung neuer politischer Strategien.
Aus den genannten
Gründen dehnte sich die Suche nach Lösungen für unsere
nationalen und gesellschaftlichen Probleme ins 21.Jahrhundert hinein
aus. Die wichtigsten Hindernisse für die Lösung der kurdischen
Frage, die eines der Hauptprobleme und Grund für die Rückständigkeiten
des Mittleren Ostens bedeutet, ist die Verleugnungs- und Vernichtungspolitik
der herrschenden
Staaten. Diese ist das Produkt aus deren Politik eines Reaktionären,
einengenden Nationalismus einerseits, andererseits aus Eigeninteressen
und Kollaborationen der kurdischen Seite. Diese Art von Politik,
die in Verbindung zu äußeren Kräften entwickelt
wird, bietet nicht nur keine Lösung, sondern führt im
Gegenteil zu ständigen innerkurdischen Auseinandersetzungen.
Diese wiederum führen zur starker Zersplitterung und zu einer
Schädigung der nationalen Dynamik.
Solange das
kurdische Volk diese schmerzhafte Situation nicht beendet und diese
die nationale Dynamik beschädigenden Auseinandersetzungen nicht
durch inneren Frieden, Demokratie und Einheit ersetzt, wird es kein
Problem lösen können. Alle kurdischen Gruppierungen sehen
sich der Notwendigkeit
gegenüber, diese Auseinandersetzungen zu überwinden und
auf diese Weise nationalen Frieden, Demokratie und Einheit zu erreichen.
Gegenüber
dieser absoluten und zwingenden Realität hat sich gegenwärtig
die kurdische nationale Bewegung geteilt. Sie führt Auseinandersetzungen
und entwickelt keine Haltung und Annäherung, um diese Situation
zu überwinden. Wie am Beispiel des internationalen Komplotts
gegen den Freiheitskampf
unseres Volkes in der Person unseres Vorsitzenden Abdullah Öcalan
zu sehen ist, wird ein Teil der kurdischen Bewegung gegen ein anderen
Teil benutzt, um daraus politischen Profit zu ziehen. Diese Art
von Verständnis und Haltungen führt zu militärischen
und politischen Auseinandersetzung innerhalb der kurdischen nationalen
Bewegung. Unsere Partei PKK, die man
ebenfalls in eine ähnliche Auseinandersetzung einzubeziehen
versucht, lehnt diese Art von Auseinandersetzungen ab, ebenso wie
die Politik, die dazu führt, und hält beharrlich an nationalem
Frieden, Demokratie und Einheit fest.
Um die kurdische
nationale Frage mit den herrschenden Ländern auf der Grundlage
der Friedens-, Demokratie- und Einheitsstrategie lösen zu können,
die inzwischen sowohl auf der Grundlage der internationalen positiven
Entwicklungen als auch der wichtigen Erfahrungen und des Wissens,
die unsere
demokratische nationale Bewegung geschaffen hat, möglich erscheint,
bedarf es dringend des inneren, nationalen Friedens, der nationalen
Demokratie und Einheit. Unsere Partei, die sich ihrer Verantwortung
bei der Lösung der nationalen und gesellschaftlichen Probleme
voll bewußt ist, glaubt daran,
daß der nationale Frieden, die nationale Demokratie und Einheit
auf der Grundlage der Prinzipien und dringenden Maßnahmen,
die im folgenden angeführt sind, erreicht werden können,
und sie wird für die Realisierung der nachstehend ausgeführten
Punkte alles in ihrer Macht stehende unternehmen.
A- Für
die Verwirklichung des kurdischen nationalen Friedens:
1- Solange mit der Förderung und Unterstützung der äußeren
Mächte die herrschenden Staaten ihre Vernichtungs- und Verleugnungspolitik
gegenüber dem kurdischen Volk fortführen, ist es zwingend
und legitim, daß die Kurden als Voraussetzung für die
Verteidigung und Entwicklung ihrer nationalen
Interessen bewaffnete Kräfte unterhalten.
2- Die bewaffneten
Kräfte unterschiedlicher kurdischer Organisationen, Institutionen
und Persönlichkeiten haben in ihrer Funktion nach außen
gerichtet zu sein und sollen nach Möglichkeit in Form von gemeinsamen
nationalen Kräften vereinigt werden. Diese Kräfte, in
Kooperation mit äußeren Kräften oder für individuelle
Interessen in internen Konflikten
gegeneinander auszuspielen, wird als ein Vergehen gegen die Nation
angesehen und entsprechend durch Sanktionen geahndet.
3- Die Gründe,
die zu Verletzungen des nationalen Friedens und zu Auseinandersetzungen
führen, sind die Vernichtungs- und Verleugnungspolitik der
herrschenden Staaten sowie die Interessen- und Kollaborationspolitik
der feudalen Clangruppen. Damit der nationale Frieden erreicht werden
kann, ist es zwingend notwendig, daß alle kurdischen nationalen
Kräfte diese Art von Politik ablehnen und statt dessen auf
der Grundlage politischer Annäherung den Frieden stützen.
4- So, wie ohne
nationalen Frieden keine nationale Demokratie erlangt werden kann,
so kann auch ein nationaler Frieden, der sich nicht auf die Demokratie
stützt, nicht echt und beständig sein. Daher ist es unumgänglich
um einen beständigen nationalen Frieden zu erreichen, daß
die nationale Freiheit gewonnen und ein demokratisches System entwickelt
wird. Das ist die
Hauptaufgabe, die allen kurdischen nationalen Kräften bevorsteht.
5- Damit ein
nationaler Frieden auf Dauer erreicht wird, ist es wichtig, daß
sich eine Friedenskultur entwickelt und das Volk, angelehnt an demokratische
Maßstäbe, mit einer deratigen Friedenskultur ausgerüstet
wird. Dafür müssen alle kurdischen nationalen Kräfte
in ihre Programme die Entwicklung einer
Friedenskultur aufnehmen und intensiv auf dieser Grundlage arbeiten.
6- Die Lösungen
der immer wieder zu Auseinandersetzungen führenden Probleme
sollte nicht auf der Basis der Interessen oder der Politik einer
Gruppe gesucht werden, sondern in nationaler Übereinstimmung
und im Rahmen nationaler Interessen.
B-
Um die kurdische nationale Demokratie zu schaffen und zu entwickeln:
1- Die Hauptvoraussetzung für die Umsetzung des demokratischen
Zusammenlebens auf nationaler Ebene ist die Überwindung feudaler
Clanstrukturen, durch die jegliche Art von Geteiltsein und Eigeninteressen
begründet sind. Jede kurdische nationale Kraft sollte, um in
richtigen Sinne eine nationale Kraft werden zu können, eine
zutiefst demokratische Annäherung zur Grundlage nehmen und
jegliche feudale Beziehungs- und
Lebensform sowie den aus ihr resultierenden Despotismus ablehnen
und aktiv dagegen ankämpfen.
2- Die unverzichtbare
Grundlage der Demokratie ist die Meinungs- und Organisierungsfreiheit.
Jede kurdische nationale Kraft sollte diese Grundannäherung
der Demokratie umsetzen und die Tendenzen der Verbotsmentalität,
die aus der nationalen Verleugnungs- und Vernichtungspolitik der
herrschenden Staaten resultieren sowie die antidemokratische Haltungen,
die durch feudale Clanstrukturen verursacht sind, unbedingt überwinden.
Überall in Kurdistan sollten neben einer totalen Meinungs-
und Artikulationsfreiheit auch die Bedingungen geschaffen werden,
daß alle kurdische Parteien und Organisationen sich frei organisieren
und arbeiten können. Jede kurdische nationale Partei und Organisation
sollte sich diesen demokratischen Grundprinzipien verpflichtet fühlen
und sie umsetzten.
3- Alle kurdischen
nationalen Parteien und Organisation sollten sich auf der Grundlage,
daß sie ihre Vielfalt darstellen können, dem Prinzip
demokratischen Zusammenlebens verbunden fühlen. Sie sollten
ferner danach streben, das Trennende so weit zu überwinden,
dass sie auf der Grundlage vielschichtiger Beziehungen gemeinsame
politische, kulturelle, diplomatische
und wirtschaftliche Vereinigungen organisieren und sie durch
Institutionalisierung dauerhaft gestalten.
4- Jede kurdische
Partei und Organisation sollte es als nationale Aufgabe ansehen,
die kurdische Demokratie selbst und die demokratischen Kräfte
zu verteidigen, wenn sie von äußeren, antidemokratischen
Kräften angegriffen werden.
5- Jede kurdische
Partei und Organisation sollte bei ihren Kritik- und Meinungsäußerungen
innerhalb eines demokratischen Rahmens aufbauend wirken und sich
bloßstellender und provozierender Äußerungen enthalten.
C-
Wie die Beziehungen zu herrschenden Gesellschaften und Staaten auf
der richtigen Grundlage geordnet werden können:
1- In den Beziehungen zu allen Gesellschaftsschichten und
staatstragenden Kräften in denjenigen herrschenden Staaten,
die die nationalen demokratischen Rechte des kurdischen Volkes akzeptieren,
sollten Frieden und Freundschaft als Basis gemeinsamen Lebens und
Handelns gelten. Auf der Grundlage demokratischen Wandels und der
demokratischen Lösung der
kurdischen Frage sollte ein freies und freiwilliges Zusammenleben
angestrebt werden.
2- Die Beziehungen
zur den herrschenden Staaten sollten auf dem Grundsatz der Lösung
der kurdischen Frage, eines demokratischen System und freiwilligen
Zusammenlebens angegangen werden. Politische Bestrebungen, die Kurden
als taktische Kräfte anzusehen und sie gegeneinander auszuspielen,
sollten abgelehnt werden.
3- Die kurdische
nationale Bewegung wird nicht die Probleme, die die herrschenden
Staaten untereinander haben, verstärken oder in die Ausweglosigkeit
führen, sondern zu deren Lösung beitragen und versuchen,
diese Staaten einander näher zu bringen, um schließlich
eine demokratische Union des Mittleren Ostens zu erreichen.
4- Wenn eine
kurdische Partei oder Organisation Beziehungen zu einem der herrschenden
Staaten aufbaut, sollte sie nicht eine Haltung einnehmen, die sich
gegen eine andere kurdischen Partei oder Organisation richtet. Es
sollte als nationales Vergehen angesehen und entsprechend sanktioniert
werden, Kontakte zum Nachteil anderer einzugehen. Alle nationalen
kurdischen Kräfte sollten in ihren Kontakten zu benachbarten
Gesellschaften und Staaten eine gemeinsame Haltung einnehmen.
D-
Damit die internationalen Kontakte reorganisiert und entwickelt
werden:
1- Internationale Kontakte einer kurdischen Organisation
zum Schaden einer anderen Organisation sollten als Vergehen gegen
die gesamte Nation betrachtet und entsprechende Sanktionen angewandt
werden.
2- Nach Möglichkeit
sollten die kurdischen Parteien und Organisationen in den internationalen
Beziehungen eine gemeinsame Haltung anstreben und sich gegenseitig
über ihre internationale Kontakte informieren.
3- Die Lösung
der kurdischen Frage sollte sowohl für Kurdistan generell als
auch konkret für die jeweiligen Teilen Kurdistans betrachtet
werden, und zum Erreichen einer Lösung auf diese Basis sollte
eine gemeinsame Diplomatie angestrebt werden.
4- Um den Kampf
des kurdischen Volkes für Freiheit und Demokratie allen Völkern
der Erde nahe zu bringen und ihre Unterstützung zu erhalten,
sollte eine gemeinsame, breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit
durchgeführt werden
E-
Für die Entwicklung der nationalen Einheit:
1- Jede auf der Teilung Kurdistans basierende Haltung und alle Annäherungen,
die aus enger Interessebezogenheit resultieren, die die nationale
Entwicklung und Einheit verhindern und deren Quellen feudale Clanstrukturen
sind, jede Art von Geteiltsein, selbstsüchtigen Annäherungen,
regionalen Haltungen und ausschließlich regionalen Bezügen
sollten überwunden werden.
2- Ohne die
nationale Einheit zu erreichen, kann kein nationaler Frieden entwickelt
werden. Aus diesem Grunde sollten, um die Teilung und Zersplitterung
zu überwinden und den nationalen Frieden zu erreichen, alle
nationalen Kräfte sich einheitlich bewegen und gemeinsame Aktivitäten
durchführen.
3- Die Demokratisierung
der herrschenden Staaten und Gesellschaften hängt mit der demokratischen
Lösung der kurdischen Frage auf der Grundlage des freien Zusammenlebens
zusammen. Es ist trotz bestehender Grenzen möglich, die kurdischen
nationale Kontakte und eine kurdische Einheit zu entwickeln; jede
kurdische Partei und Organisation sollte die nationale Entwicklung
und Einheit auf der Grundlage dieser Grundsätze anstreben.
4- Der Kurdistan
Nationalkongress (KNK) sollte zum höchsten Willens- und Beschlußorgan
der Nation entwickelt werden. Keine nationaler Gruppe sollte außerhalb
dieses Kongresses stehen. Alle Gruppen sollten ihre Vertretung ausreichend
in diesem Kongress finden, und diejenigen Gruppen, die außerhalb
des Kongresses bleiben, sollten nicht als legitim angesehen werden.
5- Unter der
Initiative des Kurdistan Nationalkongresses sollte eine nationale
Friedenskonferenz durchgeführt werden. Diese Konferenz sollte
auf der Grundlage der Gemeinsamkeit der kurdischen Nationalbewegung
eine demokratische Lösung anstreben und diese für einen
dauerhaften nationalen Frieden und für ein demokratischen Lebenssystem
institutionalisieren.
Kurzfristig
notwendige Maßnahmen, damit die Auseinandersetzungen beendet
werden können:
1- Um die Atmosphäre für die Lösung der Probleme
mittels politischem Dialog zu entwickeln, muß zwischen alle
Kräften, die sich in einer militärischen Auseinandersetzung
befinden, allen voran zwischen der KDP, PUK und PKK, ein Waffenstillstand
erreicht, Verhandlungen aufgenommen und ein gegenseitiger
Nicht-Angriffspakt unterzeichnet werden.
2- Alle Kräfte
müssen ihre Propagandakriege zur Bloßstellung und Provokation
der anderen einstellen und alle Ptopagandamittel, vor allem Presse
und Medien, sollten in den Dienst des nationalen Friedens gestellt
werden.
3- Die Parteien
und Organisationen müssen ihre Existenz gegenseitig respektieren
und sich von Haltungen und Annäherungen fernhalten, die als
Eingriff in inneren Angelegenheiten erscheinen.
4- Als Geste
des guten Willens und als Beitrag für die Entwicklung der Atmosphäre
des nationalen Friedens sollten alle Gefangenen bedingungslos freigelassen
werden.
Schluß:
Während wir unser Projekt für nationalen Frieden, Demokratie
und Einheit, in dem wir die Voraussetzungen, Prinzipien und notwendigen
Maßnahmen dargelegt haben, allen nationalen Kräften,
unserem Volk und weiteren interessierten Kreisen zukommen lassen,
möchten wir erneut unterstreichen, daß unsere Partei
jedes Opfer bringen wird, dieses Projekt umzusetzen, das sicher
unter Beteiligung der genannten Zielgruppen noch weiter vervollständigt
werden kann. Wir rufen den Kurdistan Nationalkongress auf, den Inhalt
dieses Projektes anzunehmen und sich auf dieser Grundlage noch aktiver
als bisher zu bemühen.
11. September
2000
Parteirat der
Arbeiterpartei Kurdistans (PKK)
Der Parteirat der PKK beschloss und veröffentlichte am 11.09.2000
(Übersetzung: Kurdistan Informationszentrum)
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