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Fazit der Internationalen Initiative
anlässlich des Weltfriedenstag 2001 vom 30. August 2001
Weltfriedenstag 1.
September -
Frieden
braucht Parteilichkeit!
Auch am Anfang des 21. Jahrhunderst bilden Kriege und bewaffnete Auseinandersetzungen
einen festen Bestandteil der internationalen Politik. Daran hat sich auch
seit der Erklärung des 1. Septembers zum Weltfriedenstag durch die
UNO-Vollversammlung im Jahr 1981 nichts geändert. Jedoch drängt
sich der Menschheit mehr denn je die Notwendigkeit ziviler und demokratischer
Lösungsansätze für innerstaatliche, nationale und internationale
Konflikte auf. Auch bei den Entwicklungen in Mazedonien, Nord-Irland und
Kolumbien spielte und spielt die Einsicht in diese Notwendigkeit eine
Rolle. Im Mittleren Osten hingegen, einem der konfliktreichsten Gebiete
der Welt, steht diese Entwicklung erst am Anfang. So birgt der israelisch-palästinensische
Konflikt die Gefahr, sich in einen regionalen kriegerischen Konflikt auszuweiten.
Die schwierige Situation in der Region drückt sich auch in den Bemühungen
um einen Friedensprozess in der Türkei aus.
Nachdem der türkische Staat ihre nationale Identität verleugnet
und ihnen jegliche demokratische Rechte vorenthalten hatte, blieb den
Kurden als letztes Mittel zu ihrer Selbstverteidigung nur der Griff zu
den Waffen. Unter dem Eindruck sich im Weltmaßstab verändernder
Bedingungen begann die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in den neunziger
Jahren Wege und Möglichkeiten für eine politische Lösung
der kurdischen Frage zu suchen. Mehrere einseitige Waffenstillstände
untermauern die Ernsthaftigkeit dieser Bemühungen. Die Antwort des
türkischen Staates war jedes Mal eine weitere Eskalation des Konfliktes.
Im Zuge der völkerrechtswidrigen Verschleppung des Vorsitzenden der
Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, drohte eine Ethnisierung
des Konfliktes. Um eine Balkanisierung der Region zu verhindern und den
Weg für eine politische Lösung weiterhin offen zu halten, rief
Abdullah Öcalan die PKK zur einseitigen Beendigung des Krieges und
zum Rückzug ihrer bewaffneten Kräfte auf Territorien außerhalb
der türkischen Staatsgrenzen auf. Am 1. September 1999 begann die
PKK mit dem Rückzug, der heute weitgehend abgeschlossen ist. Auch
wenn nach offiziellen türkischen Angaben die Anzahl der bewaffneten
Zusammenstöße um 95 % abnahm, kam es bei militärischen
Operationen der türkischen Armee immer wieder zu Gefechten. Nach
Äußerungen führender Mitglieder behält sich die PKK
daher weiterhin das Recht auf Selbstverteidigung vor.
Ohne Frage stellte die ungewöhnliche Friedeninitiative des Vorsitzenden
der PKK ein Novum in dem 15-jährigen Krieg dar, der beiden Seiten
hohe Opfer abverlangte und viel Leid über Millionen von Menschen
gebracht hat. So machte sich Abdullah Öcalan immer wieder für
eine Lösung der kurdischen Frage innerhalb der bestehenden Grenzen
der Türkei stark. Obwohl zum Tode verurteilt, setzt er sich auch
aus der Haft heraus im Rahmen seiner Möglichkeiten für eine
politische Lösung ein. In einer auf der Gefängnisinsel Imrali
abgegebenen Erklärung machte er deutlich, wie eine realistische und
für beide Seiten akzeptable Lösung aussehen könnte. Dieses
Lösungsmodell, dass verfassungsrechtlich verankerte kulturelle, sprachliche
und politische Rechte für die Kurden vorsieht, wurde zur Grundlage
des Friedensplanes der PKK. In der Folge beteiligten sich Hunderttausende
an Friedensmärschen und Massenveranstaltungen in Kurdistan, der Türkei
und in der Diaspora, und zeigten damit die Zustimmung der Kurden für
dieses Modell. Auch zum diesjährigen Weltfriedenstag soll ein eindeutiges
Zeichen gesetzt werden: ein für den 1. September im Kölner Stadion
organisiertes Friedensfestival.
Wenn auch die konstruktiven Schritte der kurdischen Seite für eine
verstärkte Diskussion über einen grundsätzlichen demokratischen
gesellschaftlichen Wandel und für verstärkte Aktivitäten
der wenigen zivilgesellschaftlichen Einrichtungen gesorgt haben, so ist
die Stagnation des Demokratisierungsprozesses in der Türkei dennoch
unübersehbar. Dieser Stagnation liegen die ökonomischen und
politischen Interessen derjenigen Kräfte zu Grunde, die ihre Existenz
dem Status Quo verdanken. Insbesondere die derzeit an der Regierung beteiligte
ultranationalistische MHP bildet mit ihrer anachronistischen und rassistischen
Politik ein ernsthaftes Hindernis für den demokratischen Wandel der
Türkei. Aber auch das Erbe des schmutzigen Anti-Guerillakrieges,
die Hintermänner der Todesschwadronen, die Profiteure extralegaler
Hinrichtungen, erschweren schnelle demokratische Fortschritte. Nach Angaben
des türkischen Menschenrechtsvereins (IHD) hat die systematische
Folter im Polizeigewahrsam und in den Gefängnissen wieder zugenommen.
Die Wiederkehr der Praxis des "Verschwindenlassens" politisch
unliebsamer Personen ist ein Alarmzeichen, und gibt Anlass zu großer
Sorge. Auch der selbstherrliche Umgang des türkischen Staates mit
der Hungerstreiktragödie in den türkischen Gefängnissen
zeigt das Ausmaß der katastrophalen Menschenrechtslage auf. Dennoch
werden, trotz der nicht unerheblichen Widerstände in Politik und
Militär, die Forderungen nach einem zügigen demokratischen Wandel
lauter.
Mit der Anerkennung der Türkei als Beitrittskandidat zur Europäischen
Union waren große Hoffnungen auf die Lösung der brennenden
Probleme des Landes verbunden. Zwei Jahre nach dem EU-Gipfel von Helsinki
herrscht nun tiefe Ernüchterung. Das von der EU verfolgte Kalkül
eines "kritischen Dialoges" mit der Türkei zeigt keine
Aussicht auf Erfolg. Die allgemein gehaltene Formulierung des EU-Dokuments
zur Beitrittspartnerschaft, die bewusst die Nennung des Wortes "Kurden"
vermied, hat die Türkei in ihrem repressiven Umgang mit dieser zentralen
Frage ermutigt. Wer wirklich an Stabilität in der Türkei und
der Region interessiert ist, muss mehr politische Initiative aufbringen
als weiterhin die türkischen Hoffnungen auf einen "billigen
Beitritt" in die EU zu nähren. Der Wille zum Frieden erfordert
Parteilichkeit! Deshalb müssen alle Bestrebungen unterstützt
werden, die auf einen dauerhaften Frieden und einen grundlegenden Demokratisierungsprozess
gerichtet sind. Die kurdische Seite hat mit ihrem Friedenskurs gezeigt,
dass sie für einen solchen Prozess bereit ist. Sie in diesem Vorhaben
zu bestärken und die dafür notwendigen Opfer zu würdigen,
muss die Aufgabe aller demokratischen und fortschrittlichen Kräfte
sein. Die demokratischen Kräfte in der Türkei bedürfen
der Unterstützung der internationalen Politik.
Die internationale Staatengemeinschaft und die kritische Öffentlichkeit
sind gefordert. Gerade auch der Bundesrepublik Deutschland kommt eine
besondere Rolle zu, der sie leider bisher nicht gerecht wird. Noch immer
wird versucht, die PKK aus einem möglichen Demokratisierungsprozess
auszugrenzen, statt eine Lösung unter Einbeziehung der Konfliktparteien
anzustreben. Nach wie vor ist Deutschland in vertrauter Zweisamkeit mit
der Türkei bestrebt, den Einfluss der PKK zurückzudrängen,
sie und ihr Umfeld zu kriminalisieren. Die massenhafte Beteiligung der
kurdischen Bevölkerung in der Diaspora an einer Identitätskampagne,
zu der die PKK aufgerufen hat, zeigt die Begrenztheit dieser Ausgrenzungspolitik.
Ein Frieden wird immer nur zwischen Gegnern geschlossen. Deshalb kann
es eine friedliche Lösung der kurdischen Frage in der Türkei
nur mit der PKK und nicht ohne sie geben. Alles andere bedeutet eine Verzögerung
des Friedensprozesses.
Frieden braucht Parteilichkeit! Deshalb rufen wir alle fortschrittlichen
und demokratischen Kräfte dazu auf, die Forderungen der Kurden nach
Anerkennung ihrer politischen und kulturellen Identität zu unterstützen,
damit eine aus der jetzt möglichen Lösung ein dauerhafter Frieden
erwächst.
"Freiheit für Abdullah Öcalan
-
Frieden in Kurdistan und der Türkei"
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