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Öcalan
verweigert ab sofort Anwaltsbesuche - Kurden sind äußerst besorgt
Internationale Initiative
Freiheit für Abdullah Öcalan - Frieden in Kurdistan
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Köln, 30. September 2003
An die Redaktionen In- und Ausland / Mittlerer Osten / Türkei
/ Kurdistan
Pressemitteilung:
Öcalan
verweigert ab sofort Anwaltsbesuche - Kurden sind äußerst besorgt
Seit seiner völkerrechtswidrigen Verschleppung am 15. Februar 1999
in die Türkei befindet sich Abdullah Öcalan auf der Gefängnisinsel
Imrali. Durch die schweren Isolationshaftbedingungen ist sein Gesundheitszustand
stark angegriffen. Demnach leidet der Kurdenführer unter massiven
Atembeschwerden, die vereinzelt zu Erstickungsanfällen führen,
weshalb die Anwälte Abdullah Öcalans um das Leben ihres Mandanten
fürchten. Außerdem hat die lange Haftzeit in der Totalisolation
dazu geführt, dass sein Geruchs- und Geschmackssinn stark beeinträchtig
sind. Eine ärztliche Versorgung ist auf der Gefängnisinsel nur
begrenzt möglich.
Zwar hat das Antifolterkomitee des Europarates schon mehrmals die Aufhebung
der Isolationshaftbedingungen gefordert, was bisher jedoch von der Türkei
ignoriert wird. Nun hat sich Abdullah Öcalan entschlossen, aus Protest
gegen die menschenunwürdigen Haftbedingungen bis auf weiteres das
Zusammentreffen mit seinen Anwälten zu verweigern. So würde
nur die Verlegung in ein anderes Gefängnis, die volle Aufhebung der
Isolationshaftbedingungen und Hafterleichterungen, wie sie das CPT vorgeschlagen
hat, diesen Zustand beenden können.
Bisher waren diese Besuche der einzige Zugang zu dem Vorsitzenden des
KADEK. Seinem Einfluss war es zuzuschreiben, dass die PKK den Krieg einseitig
beendete und ihre bewaffneten Kräfte auf Territorien außerhalb
der Türkei zurückzog, um so eine politische Lösung der
kurdischen Frage zu ermöglichen. Die sich bietende Chance wurde von
der Türkei jedoch nicht ausreichend genutzt. Zwar verabschiedete
das türkische Parlament im Zusammenhang des EU-Beitrittsprozesses
mehrere Reformpakete, die den Kurden mehr Rechte zugestehen. Eine reale
Umsetzung ist jedoch weiterhin nicht in Sicht. Nach wie vor ist die Menschrechtslage
in der Türkei katastrophal. Immer noch werden einfachste demokratische
Forderungen repressiv verfolgt und demokratische Parteien mit dem Verbot
bedroht. Mit dem "Rückzug" des Vorsitzenden des KADEK entsteht
eine brisante Situation, da nun sein mäßigender Einfluss unterbrochen
ist. Die Kurden in der Türkei, aber auch in Europa sind hingegen
äußerst besorgt. Auch sie haben umfangreiche Protestsaktionen
angekündigt.
Indes hat der KADEK mit dem 1. September 2003 den einseitigen Waffenstillstand
aufkündigt. So wurde der türkischen Regierung eine Frist von
drei Monaten eingeräumt, positive Schritte hin zu einem bilateralen
Waffenstillstand zu unternehmen. Darunter sind u.a. die Einstellung sämtlicher
militärischen Operationen der türkischen Armee gegen die kurdische
Guerilla, sowie die Beendigung der Angriffe auf kurdische Institutionen
durch die Sicherheitskräfte zu verstehen. Andernfalls wäre ein
erneuter Waffengang unausweichlich.
Dies muss verhindert werden. Als internationale Friedensinitiative sind
wir über die aktuellen Entwicklungen äußerst besorgt.
Deshalb fordern wir die europäische Staatengemeinschaft dazu auf,
auf die Türkei mäßigend einzuwirken. Die kurdische Frage
muss wieder thematisiert werden. Ein erneuter Krieg aber hätte unabsehbare
Folgen. Beide Seiten in dem Konflikt müssen an einer friedlichen
Lösung des Konfliktes festhalten. Die Verbesserung der Haftbedingungen
von Abdullah Öcalan wäre ein glaubhafter Schritt in die richtige
Richtung. Die Türkei muss im einvernehmlichen Dialog mit ihren kurdischen
Bürgern die brennenden Probleme des Landes lösen.
Schluss mit der Totalisolation von Abdullah Öcalan ! - Frieden jetzt!
Quelle: MHA, 27. September 2003; Medya-TV, 27. September 2003, Erklärung
der Öcalan-Anwälte auf der Pressekonferenz in Istanbul am 30.
September 2003.
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