Hintergrundinformationen zu Kurdistan
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Die Kurden sind das größte und auch das älteste Volk auf der Erde, dem sein Recht auf Selbstbestimmung vorenthalten wird.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde das Siedlungsgebiet der Kurden im ehemaligen Osmanischen Reich durch die Siegermächte im Abkommen von Lausanne unter die neu entstandenen Staaten bzw. Mandatsgebiete Türkei, Irak und Syrien aufgeteilt. Besonders in dem durch die Türkische Republik annektierten Teil ist die kurdische Bevölkerung seither brutaler Unterdrückung durch Massaker, Deportationen (z.B. 1925 nach dem Scheïch-Said-Aufstand, 1932 mehrere Hunderttausend nach Zentral- und Westanatolien sowie 1938 nach dem Dersim-Aufstand) und einer systematisch betriebenen Zwangsassimilation (v.a. durch die türkische Unterrichts- und Amtssprache, das Verbot der kurdischen Sprache in der Öffentlichkeit und die zwangsweise Türkisierung der Familiennamen) ausgesetzt, gegen die sie sich allein zwischen 1925 und 1938 in 16 Aufständen zur Wehr setzte.

Die kurdische Sprache und Kultur sind auch weiterhin verboten. So wurden nach dem Dersim-Aufstand von 1938 die kurdischen Städtenamen, nach dem Militärputsch von 1980 alle verbliebenen Dorf- und Gemarkungsnamen durch türkische ersetzt. Jede Form des Eintretens für die international anerkannten Menschenrechte durch und für Kurden wird unter dem Vorwurf des "Separatismus" unterdrückt: Durch Staat und Gesetze sind sowohl die Kurden als auch ihre Heimat Kurdistan noch immer zur Nichtexistenz verurteilt.

Als Reaktion auf die repressive türkische Politik hat der Widerstand in Nordwest-Kurdistan vor über zwei Jahrzehnten zur Gründung der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) geführt. 1984 ist dieser Widerstand in einen bewaffneten Konflikt umgeschlagen. Innerhalb weniger Jahre gelang es der PKK, große Teile der kurdischen Bevölkerung zu gewinnen und sich in ihr zu verwurzeln. Seit 1993 wurden durch die PKK konkrete Schritte für eine politische Lösung der Kurdenfrage unternommen. Dreimal erklärte sie seitdem einseitige Waffenstillstände; wiederholt betonte sie, eine Lösung innerhalb der Grenzen der Türkei anzustreben. Trotzdem diffamiert die türkische Regierung die gesamte kurdische Bewegung und jedweden Ansatz zu einer friedlichen Lösung der Kurdenfrage als terroristisch und separatistisch und setzt ihre Politik der Zerstörung von Dörfern und Weilern (über viertausend) und der Vertreibung (ca. vier Millionen in den letzten zwanzig Jahren) fort.

Jahr für Jahr ist die Türkei wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen internationaler Kritik ausgesetzt. Trotz wiederholter Versprechungen durch die verschiedensten Regierungen ist es in all den Jahren weder zu einer Verbesserung der Menschenrechtslage noch zu einer Demokratisierung gekommen. Im Gegenteil: die kurdische Bevölkerung in der Türkei ist nicht nur von kultureller Verleugnung betroffen, sondern auch von physischer Vernichtung bedroht. Das internationale Kriegsrecht wird durch den türkischen Staat nicht beachtet (wogegen die Genfer Konvention bereits 1995 durch die PKK unterzeichnet wurde). Immer wieder kommt es zu Angriffen auf die Zivilbevölkerung; oftmals werden gefangengenommene Guerillas sofort getötet oder grausam zu Tode gequält. Seitdem der PKK-Vorsitzende, Abdullah Öcalan, aus Kenya entführt und in der Türkei inhaftiert wurde, wird durch Regierung, Parteien und Medien der Türkei eine chauvinistische Kampagne geführt, die u.a. ein nie dagewesenes Erstarken der faschistischen MHP bewirkt hat und zu einer zunehmenden Pogromstimmung gegen die Kurden führen muß.

Je länger der Krieg dauert, desto größer werden die Zerstörungen von Natur und Zivilisation und desto mehr Blut wird auf beiden Seiten vergossen. In neuesten Schätzungen wird die Zahl der Kriegsopfer auf mehr als vierzigtausend Tote beziffert. Die türkische Regierung und vor allem die Armeeführung müssen endlich einsehen, daß sie den Krieg gegen das kurdische Volk trotz all des Leides, das sie über es gebracht haben, nicht mehr und nie wieder werden gewinnen können.