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Brief des Präsidialrats
der PKK an die Demokratische Partei Kurdistans (KDP)
An das Politbüro der KDP,
Ohne eine Lösung für die Freiheitsfrage gefunden zu haben,
überschreitet unser in allen vier Teilen Kurdistans ansässiges
Volk die Schwelle zum 21. Jahrhundert. Es kann nicht als normal angesehen
werden, dass zu einer Zeit, wo alle großen wie kleinen Völker
bestimmte Lösungen für ihre Probleme finden, sich das kurdische
Volk immer noch großen Problemen gegenüber sieht und keine
Lösung für seine Freiheitsfrage finden konnte. Zweifellos sind
für diese Situation diejenigen Kräfte verantwortlich, die sich
als Führung unseres Volkes bezeichnen.
Dass in Kurdistan seit zwei Jahunderten Aufstände und Rebellionen
stattfanden und diese von den jeweiligen Vormachtskräften unterdrückt
wurden, ist eine nicht zu leugnende Realtät. Obwohl unser Volk gekämpft
und einen hohen Preis bezahlt hat, konnte es nicht die Freiheit erringen.
Diejenigen Kräfte, die in allen vier Teilen Kurdistans eine Führungsrolle
im Kampf unseres Volkes übernommen haben, müssen hierbei ihre
Verantwortung erkennen. Es ist nicht akzeptabel, dass diese Kräfte
ihren Anteil an einer mangelnden Problemlösung nicht sehen und andere
Kräfte für diese Erfolglosigkeit veranwortlich machen.
Trotz großen Blutvergießens und großer Aufopferung,
tragen die wichtigen Organisationen Kurdistans den entscheidenden Teil
der Verantwortung dafür, dass die kurdische Frage noch immer nicht
gelöst wurde. Auch wenn bezüglich dieser Situation noch andere
Faktoren eine Rolle spielen, so besteht der Hauptgrund darin, dass bestimmte
kurdische Parteien und Organisationen untereinander keine beständige
Beziehungen entwickeln konnten. Bei der Tatsache, dass unser Volk immer
noch keine Lösung erreicht hat, spielt es eine große Rolle,
dass immer noch innere Gefechte stattfinden und die daraus resultierenden
negativen Folgen an der Tagesordnung sind.
Das gleiche gilt für die Auseinandersetzungen zwischen der PKK und
KDP. So wie es niemandem genutzt hat, dass diese beiden großen Organisationen
sich gegenseitig bekämpfen, hat dies dem kurdischen Befreiungskampf
großen Schaden zugefügt, was auch heute noch so ist. Die einzige
Seite, die von den Auseinandersetzungen zwischen unseren Parteien als
auch denjenigen der anderen kurdischen Organisationen untereinander profitierten,
sind die Kräfte, die unser Land unter ihrer Herrschaft halten.
Auch Sie werden einsehen, dass die Geschichte der inneren Gefechte nur
unsere nationalen Kräfte geschwächt hat. So wie es bis heute
keine Sieger in diesem für unser Volk unsäglichen inneren Kriegszustand
gegeben hat, wird es auch keinen in Zukunft geben. Ohne darauf zu verfallen,
nach der größeren Verantwortung einer Seite für diese
Gefechte zu suchen, muß diesem negativen Verlauf, der die Probleme
unseres Volkes immer schwerwiegender macht, klar Einhalt geboten werden,
um die Freiheitsfrage unseres Volkes zu lösen, An Stelle von Auseinandersetzung
und Ausweglosigkeit eine solidarische Umgangsform zu finden, ist für
die Lösung der Freiheitsfrage unseres Volkes von äußerster
Notwendigkeit. Insbesondere für unsere beiden Parteien, wie auch
für jede andere Partei und Organisation ist es der einzige Ausweg,
sich auf dieser Grundlage zu bewegen. Wir glauben, dass die Zeit reif
ist, um im kurdischen Freiheitskampf eine solche Phase zu beginnen.
Trotz aller Widrigkeiten der Vergangenheit, besteht heute für unser
Volk die Möglichkeit, mit einer Lösung in das neue Jahrhundert
einzutreten. In einer Zeit, in der die kurdische Frage auf internationaler
Ebene diskutiert wird, gibt es sogar die Möglichkeit, hinsichtlich
einer Lösung Entwicklungen voranzutreiben. Deshalb ist es für
unsere gegeneinander kämpfenden Parteien von äußerster
Wichtigkeit, ihre Probleme auf dem Weg des Dialoges zu lösen. Neben
der unter der Führung unseres Vorsitzenden für Demokratie, Frieden
und eine Lösung eingeleiteten neuen Phase, wird dies mit der Durchführung
ihres letzten Parteikongresses möglich. Demzufolge würde die
Einstellung der Gefechte, die Schaffung eines Friedens und der Atmosphäre
des Dialoges einen positiven Einfluß auf die Zukunft des kurdischen
Volkes ausüben. Ein solches Vorgehen würde für die Kurden
das 21. Jahrhundert gleichzeitzig zum Jahrhundert der Lösung machen.
Auf der Grundlage der oben genannten Sichtweise appelieren wir als Präsidialrat
der PKK an sie, den Dialog für einen dauerhaften Frieden und eine
dauerhafte Lösung zu beginnen, sowie die dafür notwendigen Schritte
zu unternehmen. Im Glauben an eine positive Aufnahme des von uns als historische
Notwendigkeit und äußerst wichtig erachteten Appels.
Hochachtungsvoll
07.11.1999
Präsidialrat der PKK
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