Brief des Präsidialrats der PKK an die Demokratische Partei Kurdistans (KDP)linie.gif (74 bytes)

An das Politbüro der KDP,

Ohne eine Lösung für die Freiheitsfrage gefunden zu haben, überschreitet unser in allen vier Teilen Kurdistans ansässiges Volk die Schwelle zum 21. Jahrhundert. Es kann nicht als normal angesehen werden, dass zu einer Zeit, wo alle großen wie kleinen Völker bestimmte Lösungen für ihre Probleme finden, sich das kurdische Volk immer noch großen Problemen gegenüber sieht und keine Lösung für seine Freiheitsfrage finden konnte. Zweifellos sind für diese Situation diejenigen Kräfte verantwortlich, die sich als Führung unseres Volkes bezeichnen.
Dass in Kurdistan seit zwei Jahunderten Aufstände und Rebellionen stattfanden und diese von den jeweiligen Vormachtskräften unterdrückt wurden, ist eine nicht zu leugnende Realtät. Obwohl unser Volk gekämpft und einen hohen Preis bezahlt hat, konnte es nicht die Freiheit erringen. Diejenigen Kräfte, die in allen vier Teilen Kurdistans eine Führungsrolle im Kampf unseres Volkes übernommen haben, müssen hierbei ihre Verantwortung erkennen. Es ist nicht akzeptabel, dass diese Kräfte ihren Anteil an einer mangelnden Problemlösung nicht sehen und andere Kräfte für diese Erfolglosigkeit veranwortlich machen.
Trotz großen Blutvergießens und großer Aufopferung, tragen die wichtigen Organisationen Kurdistans den entscheidenden Teil der Verantwortung dafür, dass die kurdische Frage noch immer nicht gelöst wurde. Auch wenn bezüglich dieser Situation noch andere Faktoren eine Rolle spielen, so besteht der Hauptgrund darin, dass bestimmte kurdische Parteien und Organisationen untereinander keine beständige Beziehungen entwickeln konnten. Bei der Tatsache, dass unser Volk immer noch keine Lösung erreicht hat, spielt es eine große Rolle, dass immer noch innere Gefechte stattfinden und die daraus resultierenden negativen Folgen an der Tagesordnung sind.

Das gleiche gilt für die Auseinandersetzungen zwischen der PKK und KDP. So wie es niemandem genutzt hat, dass diese beiden großen Organisationen sich gegenseitig bekämpfen, hat dies dem kurdischen Befreiungskampf großen Schaden zugefügt, was auch heute noch so ist. Die einzige Seite, die von den Auseinandersetzungen zwischen unseren Parteien als auch denjenigen der anderen kurdischen Organisationen untereinander profitierten, sind die Kräfte, die unser Land unter ihrer Herrschaft halten.

Auch Sie werden einsehen, dass die Geschichte der inneren Gefechte nur unsere nationalen Kräfte geschwächt hat. So wie es bis heute keine Sieger in diesem für unser Volk unsäglichen inneren Kriegszustand gegeben hat, wird es auch keinen in Zukunft geben. Ohne darauf zu verfallen, nach der größeren Verantwortung einer Seite für diese Gefechte zu suchen, muß diesem negativen Verlauf, der die Probleme unseres Volkes immer schwerwiegender macht, klar Einhalt geboten werden, um die Freiheitsfrage unseres Volkes zu lösen, An Stelle von Auseinandersetzung und Ausweglosigkeit eine solidarische Umgangsform zu finden, ist für die Lösung der Freiheitsfrage unseres Volkes von äußerster Notwendigkeit. Insbesondere für unsere beiden Parteien, wie auch für jede andere Partei und Organisation ist es der einzige Ausweg, sich auf dieser Grundlage zu bewegen. Wir glauben, dass die Zeit reif ist, um im kurdischen Freiheitskampf eine solche Phase zu beginnen.
Trotz aller Widrigkeiten der Vergangenheit, besteht heute für unser Volk die Möglichkeit, mit einer Lösung in das neue Jahrhundert einzutreten. In einer Zeit, in der die kurdische Frage auf internationaler Ebene diskutiert wird, gibt es sogar die Möglichkeit, hinsichtlich einer Lösung Entwicklungen voranzutreiben. Deshalb ist es für unsere gegeneinander kämpfenden Parteien von äußerster Wichtigkeit, ihre Probleme auf dem Weg des Dialoges zu lösen. Neben der unter der Führung unseres Vorsitzenden für Demokratie, Frieden und eine Lösung eingeleiteten neuen Phase, wird dies mit der Durchführung ihres letzten Parteikongresses möglich. Demzufolge würde die Einstellung der Gefechte, die Schaffung eines Friedens und der Atmosphäre des Dialoges einen positiven Einfluß auf die Zukunft des kurdischen Volkes ausüben. Ein solches Vorgehen würde für die Kurden das 21. Jahrhundert gleichzeitzig zum Jahrhundert der Lösung machen.
Auf der Grundlage der oben genannten Sichtweise appelieren wir als Präsidialrat der PKK an sie, den Dialog für einen dauerhaften Frieden und eine dauerhafte Lösung zu beginnen, sowie die dafür notwendigen Schritte zu unternehmen. Im Glauben an eine positive Aufnahme des von uns als historische Notwendigkeit und äußerst wichtig erachteten Appels.

Hochachtungsvoll
07.11.1999
Präsidialrat der PKK