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Statement Abdullah Öcalans
vom 5. September 2001
INTERNATIONAL INITIATIVE BRIEFINGS:
Statement Abdullah Öcalans
übermittelt durch seine Rechtsanwälte, Imrali-Istanbul:
Ich gratuliere allen zur hohen Beteiligung anlaesslich des Weltfriedenstags
am 1. September. Der Familie des Gefallenen und euch allen spreche ich
mein Beileid aus. [Zeynel Durmus] ist für den Frieden gefallen. Seinem
Andenken gerecht zu werden, bedeutet den Kampf für Frieden zu steigern.
Es wird notwendig sein, angemessenere Wege für diesen Kampf zu finden,
allen Verboten in der Türkei zum Trotz. Ich denke, dass die Aktivitäten
zum Weltfriedenstag nicht umsonst waren. Durch weiterreichende Reflexion
als bisher müssen juristische und politische Konsequenzen gezogen
werden. Ich grüsse nochmals euren Friedensmarsch und wünsche
euch eine sich staendig verbessernde Organisierung.
Die Diskussionen um die Verfassungsänderung müssen in diesem
Rahmen korrekt analysiert werden. Die Intellektuellen und die Anhänger
und Anhängerinnen von Demokratie, Einheit und Geschwisterlichkeit
müssen ausserhalb der bestehenden Verfassungsänderungsdiskussion
ihre eigene Verfassung entwickeln. Ihr müsst euch für eure eigene
Identität einsetzen und könnt die Bedingungen dafür schaffen.
Die Rechte der Kurden und Kurdinnen müsst ihr im Rahmen des Rechts
verteidigen. Es gibt Rechte von universellem Wert, und diese müssen
auch in bezug auf die Kurden Anerkennung und Anwendung finden. Beim Widerstand
gegen die Anerkennung kurdischer Identität handelt es sich um das
Werk einer Handvoll von Kriegsprofiteuren. Dass dies nicht im Interesse
der Türkei sein kann, ist seit der letzten Wirtschaftskrise eindeutig.
An sich herrscht in der Türkei eine positive Atmosphäre für
eine demokratische Lösung, aber die notwendigen Schritte werden nicht
getan. Die derzeitige Politik zielt auf eine Dekomposition und Zerrüttung
[unserer Bewegung] ab. Dagegen muss angegangen werden. Mit der euch eigenen
Kraft, euren Möglichkeiten muss diese Situation verdeutlicht werden.
Setzt euch bis zum Aeusstersten für eure Identität ein. Nur
so könnt ihr eure Würde bewahren. Einsatz für Würde
bedeutet Einsatz für Identität. Es geht um demokratisches Bewusstsein,
um Verbundenheit zum je eigenen. Ihr müsst alle an eurer Persönlichkeit
Züge des Friedens entwickeln. Wirklicher Mut heisst, solch eine Friedenspersönlichkeit
zu entwickeln. Nur wer demokratische Kraft besitzt, kann diese Entwicklung
bewerkstelligen. Es ist an der Zeit, sich für Demokratie und Recht
einzusetzen. Frieden erfordert eine starke Persönlichkeit. Niemals
darf weniger akzeptiert werden als volle Demokratie und ein würdevoller
Frieden. In der Türkei findet momentan ein Tauziehen statt, es gibt
verschiedene Brennpunkte der Macht. Im Staat herrscht ein Zustand des
Gleichgewichts durch sich gegenseitig blockierende Kraefte, das muss richtig
analysiert werden. Aus diesem Grund ist es von lebenswichtiger Bedeutung,
eine organisierte Zivilgesellschaft auszubilden. Es sollte ein Block für
Demokratie gebildet werden. Die Grösse eines Staates definiert sich
über seine Demokratie. Die Grösse der Republik definiert sich
über zu entwickelnde Beziehungen zu den Kurden. Die Demokratische
Republik werden wir gemeinsam mit der Türkei gründen.
In meinen Eingaben an den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof
(EuMRGh) geht es um Freiheit und um die juristischen Vorgaenge. Es sind
40 000 Menschen gestorben, 4000 Dörfer wurden entvölkert in
diesem bilateralen Konflikt niedriger Intensität. Beide
Prozessparteien müssen ihre Karten offenlegen. Der EuMRGh sollte
den Weg dafür bereiten. Der Komplott hat nicht zuletzt auch die Essenz
europaeischen Rechts verletzt. Es handelt sich nicht um den Prozess einer
Person, sondern dieser Prozess betrifft das Schicksal eines ganzen Volkes.
Auch die Familien der Opfer der Morde durch Todesschwadrone z.B. müssen
sich verteidigen können, auch sie müssen in dieser Phase ihr
Recht einfordern können. Wenn es einen ernstzunehmenden Prozess geben
soll, dann müssen wir auch dies vorbringen können.
Abdullah Öcalan, 05.09.2001 Imrali
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