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International Initiative Briefings
vom 3. Dezember 2002: Dokumentation der KADEK-Deklaration vom 22. November
2002
Internationale Initiative
Freiheit für Abdullah Öcalan - Frieden in Kurdistan
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International Initiative
Briefings:
Mit seiner "Offensive des Lächelns" hat der AKP-Vorsitzende Tayyip
Erdogan bei einigen Regierungschefs der Mitgliedsstaaten der Europäischen
Union Hoffnungen auf weitergehende demokratische Reformen in der Türkei
geweckt. Ein deutliches Zeichen der Würdigung bereits eingeleiteter Reformen
beim EU-Gipfel in Kopenhagen am 12. Dezember ist wahrscheinlich geworden.
In einem Aktionsplan hat die neue Regierung der Türkei ihre dringlichsten
Vorhaben vorgelegt. Bei genauer Betrachtung lässt sich jedoch feststellen,
dass die ungelöste kurdische Frage mit keinem Wort erwähnt ist. Nur diffus
wird von der Schaffung eines Bewusstseins für die kulturelle Vielfalt
gesprochen. Zu wenig, meinen die Kurden in der Türkei. Ist es doch die
ungelöste kurdische Frage, die als ein Haupthindernis für die Demokratisierung
der Türkei gilt. In Gegenzug zum Aktionsplan hat nun der Freiheits- und
Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) am 22. November 2002 in einem eigenen
Aktionsplan die kurdischen Vorstellungen von einer Lösung des Problems
dargelegt. So will der KADEK diese Forderungen als nicht diskutierbar
verstanden wissen. Sollte die neue Regierung nicht auf die Forderungen
eingehen bzw. keine wirklich substanziellen Reformen durchführen, würden
zwangsläufig die Spannungen wieder zunehmen, was selbst eine neue bewaffnete
Konfrontation nicht ausschließt. Untenstehend dokumentieren wir den Forderungskatalog
des KADEK:
Dringlicher Aktionsplan
für eine demokratische Lösung
Am 3. November 2002 wurde in der Türkei gewählt. Diese Wahl
fand in einer Zeit statt, in der die Türkei im Inneren, in der Region
und in den Beziehungen zur EU eine schwierige Phase durchlebt. Da die
alte Regierung keine Lösungungen für die vorhanden Probleme
finden konnte, war die Wahl unumgänglich geworden. Grund dafür
war das überholte Denken bei Regierung und Opposition, das den Anforderungen
unserer Zeit nicht mehr gerecht wurde. Auch wenn in einigen Bereichen
positive Schritte unternommen wurden, fehlte dennoch der Wille, ein Reformprogramm
umzusetzen, das die Stagnation hätte überwinden können.
Das Ergebnis der Wahl vom 3. November 2002, bei der die Regierungs- und
Opositionsparteien nicht mehr ins Parlament einzogen, war eine Absage
an diese Politik. Dieses Resultat ist nur natürlich, wenn man Politik
als Kunst der Lösungsfindung begreift. Das Stimmverhalten hat gezeigt,
dass das Volk diese Auffassung teilt. Die Antwort des Volkes war angemessen.
Die Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) ging aus der Wahl als
Sieger hervor. Sie zog den Nutzen aus den Errungenschaften, welche im
Jahrzehnte währenden Kampf für die Überwindung des Systems
und seiner Parteien von den linken und demokratischen Kräften errungen
wurden. Vor allem der Kampf der kurdischen demokratischen Bewegung hatte
verdeutlicht, dass das gegenwärtige System nicht mehr den Bedürfnissen
der Türkei gerecht wird. Dies führte auch dazu, dass sich eine
Neustrukturierung der Türkei gemäß ihrer sozialen und
kulturellen Realität förmlich aufdrängt. Somit ist die
Überwindung des überkommenen politischen Establishment nicht
der Erfolg der AKP, sondern derjenigen demokratischen Kräfte, die
sich über Jahrzehnte hinweg für eine Überwindung des alten
Systems eingesetzt haben. Nur wer das Wahlergebnis so zu deuten vermag,
wird in Zukunft seine politische Rolle in der Türkei ausfüllen
können.
Dass dies die AKP nicht so sieht, lässt sich aus dem dringlichen
Aktionsplan rückschliessen, den die neugegründete Regierung
jüngst der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Mit keinem Wort wird
dort auf die kurdische Frage eingegangen, die das Hauptproblem der Türkei
darstellt. Vielmehr beschränkt man sich darauf, das Problem zu ignorieren.
Es scheint, als hätte die AKP die Auffassung derer übernommen,
die das kurdische Problem auf ein rein ökonomisches Problem reduziert
wissen wollen.
Dass die Türkei vor schwerwiegenden ökonomischen Problemen steht
ist allseits bekannt. Dass insbesondere das kurdische Volk in größter
Armut lebt ist auch allseits bekannt. Dieses Problem lösen zu wollen,
ohne spezielle Programme und größerer finanzielle Ressourcen
einzusetzen, ist eine bewusste Irreführung. So konnten wir in der
Vergangenheit schon mehrfach Zeuge dieser Täuschungsmanöver
werden. Vielmehr wird der größte Teil der finanziellen Ressourcen
durch einen undemokratischen Staat verschlungen.
Es ist nicht zu leugnen, dass diejenigen Politiker, die die schwerwiegende
ökonomische Krise zu verantworten und das Volk in einen Schuldensumpf
gestürzt haben, dieselben Politiker sind, welche die kurdische Frage
nicht zu lösen vermochten. Die gegenwärtige ökonomische
Katastrophe ist weniger das Produkt einer verfehlten Wirtschaftspolitik
als das Produkt einer Strategie der Verleugnung, die das Hauptproblem
des Landes nicht lösen konnte. Ohne diese Einsicht wird keine Politik
die schwerwiegenden politischen, ökonomischen, sozialen, kulturellen
und diplomatischen Probleme des Landes lösen.
Nur durch ein bewusstes Schüren von nationalem Chauvinismus und mit
dem Versprechen, die kurdische demokratische Bewegung zu vernichten, kamen
diejenigen Parteien an die Macht, die nach der Wahl vom April 1999 die
Regierung bildeten. Die parlamentarische Opposition versuchte die Regierung
in ihrer kurdenfeindlichen Politik zu übertreffen. So wurde auf Vernichtung
statt auf eine Lösung gesetzt.
Unser Vorsitzender Abdullah Öcalan sah die Gefahr und Ausweglosigkeit,
die von einem möglichen Rachefeldzug und Vernichtungskrieg ausgehen
würde. Statt dessen thematisierte er eine demokratische Lösung.
Unser Volk und wir als Vertreter der nationalen demokratischen Bewegung
folgten dieser Politik und unternahmen die hierfür notwendigen Schritte.
Trotz verschiedener kriegerischer Provokationen von Kreisen in und außerhalb
der Regierung hielten wir an unserer Position der legitimen Selbstverteidigung
fest. Mit ausschließlich demokratischen Methoden versuchten wir
unsere neue Linie umzusetzen, die sich an einem freien Zusammenleben der
Völker in Einheit orientiert. Auch unser Volk bewies bei den alljährlichen
Newrozfeierlichkeiten, dass es an einer demokratischen Einheit und geschwisterlichen
Lösung festhält.
Die von der kurdischen demokratischen Bewegung und dem kurdischen Volk
der Türkei unterbreiteten rationalen Lösungsvorschläge
stellen eine große Gelegenheit dar. Leider wurde dies von der Regierung
und von anderen staatlichen Kräften als Schwäche unsererseits
ausgelegt. So glaubten sie, dass die kurdische demokratische Bewegung
besiegt sei, was eine vordringliche Beschäftigung mit dem Problem
überflüssig mache. Vielmehr meinte man, dass sich das Problem
mit der Zeit selbst lösen würde und man verlegte sich auf eine
Zermürbungspolitik. Dies war jedoch der Anfang vom Ende der Regierung.
So waren die von uns unterbereiteten Lösungsvorschläge eine
historische Chance für die damalige Koalitionsregierung. Hätte
sie in der kurdischen Frage ernsthafte Schritte für eine Lösung
unternommen, wäre ihr das jetzige Schicksal erspart geblieben. Vielmehr
hätte sie auf eine lange Zeit hinaus ihre Position behaupten und
die türkische Politik leiten können. Auch wenn einige der gemachten
Schritte für die Türkei wichtig erscheinen, konnte dies die
Koalitionsregierung nicht vor ihrem Ende bewahren, da sich diese nicht
an einer Demokratisierung und Lösung sondern vielmehr an einer Hinhaltepolitik
orientierte. Indes hat der Umgang mit dem Kurdischunterricht gezeigt,
dass keine ernsthafte wirkliche Veränderung zu erwarten war.
Auch wenn unsere seit mehr als drei Jahren betriebene Politik nicht adäquat
genutzt worden ist, hat sie dennoch einige positive Voraussetzungen für
eine Lösung geschaffen.
Insbesondere das Festhalten des kurdischen Volkes an einer demokratischen
Lösung und eine relative Abnahme der Vorurteile und des Misstrauens
auf der Seite der Türkei sind hier zu nennen. Sollte diese Grundlage
ausreichend genutzt werden, lassen sich in den nächsten Monaten hinsichtlich
einer Lösung des Problems wichtige Fortschritte erzielen. Ob die
neue Regierung die sich ihr bietende Chance nutzt wird sich zeigen. Die
Gelegenheit dazu ist noch nicht vertan. Wenn sie will, können die
Fehler der letzten drei Jahre überwunden und eine konstruktive Politik
entworfen werden.
Der Freiheits- und Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) wird sämtliche
diesbezüglichen Initiativen unterstützen. Weiterhin werden wir
alles unternehmen, was eine Lösung erleichtert. Diese Haltung werden
wir solange einnehmen, bis sich die Richtung der Regierungspolitik geklärt
hat.
Nicht nur die kurdische Frage, sondern auch sämtliche Probleme der
Türkei sind für den KADEK von Belang. Weiterhin sind wir bereit,
unseren Beitrag zur Demokratisierung der Türkei und der Entwicklung
einer Sozialpolitik zu leisten. Aus dem selben Grund haben wir die Bewegung
für Arbeit, Frieden und Demokratie bei den Wahlen am 3. November
2002 unterstützt.
Weder der KADEK noch seine Selbstverteidigungskräfte bilden für
die Türkei eine Bedrohung, sondern stellen vielmehr einen konstruktiven
Faktor für die Demokratisierung und Bewältigung der wichtigsten
Probleme dar. Durch unseren dreißigjährigen Kampf hat sich
das kurdische Volk zu einer demokratischen Kraft entwickelt. Somit ist
es für die Modernisierung der Türkei eine wertvolle Stütze.
Anstatt ihm Misstrauen entgegenzubringen, sollte man mit ihm zufrieden
sein. Die Haltung des kurdischen Volkes, die bei den Wahlveranstaltungen
zum Ausdruck kam, ist geeignet sämtliches unbegründetes Misstrauen
zu zerstreuen. Auch der Wunsch, nach dem 3. November seine demokratische
Vertretung im Parlament zu sehen, bestätigt diese Haltung.
Diejenigen Kräfte, die in der Türkei Stabilität wollen,
werden sich mit der Situation des kurdischen Volkes auseinandersetzen
müssen. Mit der Verleugnung des kurdischen Volkes wird keine Stabilität
zu erreichen sein. Jede Politiker, welcher dieses Problem übergeht,
wird in kurzer Zeit feststellen, dass er sich auf einem Krisenterrain
bewegt.
Das kurdische Volk gibt der Türkei ausreichend Gelegenheit zur Schaffung
von Stabilität. So hat die kurdische demokratische Bewegung ihren
bewaffneten Kampf eingestellt und ihre Verbände auf Territorien außerhalb
der Türkei zurückgezogen. Weiterhin hat sie die politische Einheit
der Türkei mehrmals anerkannt. Mehrfach hat sie betont, dass es im
Interesse der Kurden ist, im Rahmen einer demokratischen Republik zusammenzuleben.
Dies kam unter dem Motto "Weder Verleugnung noch Separatismus"
zum Ausdruck. In Anbetracht dieser Realität besteht für den
türkischen Staat und seine Regierung kein Grund mehr, einer Lösung
der kurdischen Frage auszuweichen.
Wäre der Einzug des Block für Arbeit, Frieden und Demokratie
in das Parlament nicht durch bürokratische Hürden und anderweitige
Behinderungen bei der Wahl verhindert worden, hätte er als Teil der
politischen Landschaft der Türkei eine konstruktive Politik der Aussöhnung
vorantreiben und eine positive Rolle hinsichtlich der demokratische Einheit
des Landes spielen können. Auch wenn demokratischen, kurdischen und
türkischen, linken Kräften der Einzug in das Parlament verwehrt
blieb, werden sie dies dennoch mit demokratischen Methoden auf der Tagesordnung
der Türkei lebendig halten. Weiterhin bleiben sie sich ihrer Verantwortung
als Fundamentalopposition bewusst und werden mit demokratischem Verständnis
ihren Beitrag dazu leisten, dass bei der Bewältigung der Probleme
in der Türkei eine richtige Politik verfolgt wird.
Auch wenn das überkommen Denken der alten politischen Garde überwunden
scheint, zeichnet sich dennoch kein neues Denken ab. Das Regierungsprogramm
der AKP macht wenig Hoffnung für die Zukunft. Trotz dieser Tatsache
möchten wir in untenstehender Deklaration unsere Erwartungen an die
neue Regierung unterbreiten., um so zu sozialer Stabilität und zur
Demokratisierung der türkischen und kurdischen Gesellschaft beizutragen.
Sollten die im dringlichen Aktionsplan der Regierung enthaltenen Irrtümer
behoben werden, lässt sich der politische Misserfolg noch vermeiden.
Andernfalls wird die neue Regierung das Schicksal der vorherigen teilen.
Wenn die Regierung ihre Legitimität gegenüber unserem Volk
aufrechterhalten will, erwarten wir folgende, ohne Verzögerung zu
unternehmende Schritte:
1. Wir betrachten unseren Vorsitzenden Abdullah Öcalan als Garantie
für Frieden und Demokratisierung. Seine Lebens- und Kommunikationsbedingungen
müssen umgehend verbessert werden.
Deshalb fordern wir:
a- die Aufhebung der Isolationsbedingungen unseres Vorsitzenden. Entweder
wird für seine Sicherheit in einem anderen Gefängnis gesorgt
oder aber andere politischen Gefangene zu ihm verlegt.
b- uneingeschränkten Besuch von seinen Anwälten, seiner Familie
und von Vertretern ziviler Institutionen sowie die Möglichkeit zu
uneingeschränkter Kommunikation.
c- die Möglichkeit zum uneingeschränkten Gebrauch von TV und
Radio, freien Bezug der Tagespresse und keine Begrenzung von Literatur.
d- dass den Gesundheits- und Ernährungsbedürfnissen unseres
Vorsitzenden entsprochen wird. Eine diesbezügliche Unterstützung
von Anwälten und Familie darf nicht behindert werden.
e- das Recht auf freie Veröffentlichung seiner Verteidigung und anderer
schriftlicher Beiträge. Die freie Äußerung und Verbreitung
seiner Gedanken darf nicht behindert werden.
f- keine Behinderung von Kampagnen des Volkes und von zivilgesellschaftlichen
Institutionen, welche sich für die Freiheit unseres Vorsitzenden
einsetzen.
2. den Erlass einer Generalamnestie für alle politischen Gefangenen.
Weiterhin fordern wir die Freilassung unseres Vorsitzenden und die Möglichkeit
der Beteiligung für ihn und alle anderen politischen Gefangenen am
politischen Leben. Hierfür muss eine gesetzliche Grundlage geschaffen
werden, die eine Demokratisierung ermöglicht. Weiterhin muss auf
die F-Typ Gefängnisse verzichtet werden, in denen sich eine menschliche
Tragödie abspielt. Stattdessen muss zu einem System übergegangen
werden, dass den menschlichen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen
der Insassen entspricht.
3. den Erlass eines Gesetzes, dass den Guerillakräften und den politischen
Flüchtlingen die Rückkehr in das zivile und politische Leben
ermöglicht.
4. die Bestrafung der Täter und Auftraggeber, die sich an extralegalen
Hinrichtungen beteiligt haben.
5. das Recht auf freie Rückkehr der Menschen, die gewaltsam aus ihren
Dörfern vertrieben worden sind. Weiterhin muss hier entstandener
Schaden entschädigt und finanzielle sowie soziale Unterstützung
für eine Rückkehr geleistet werden.
6. die Abschaffung des Dorfschützersystems, die Bereitstellung von
finanziellen Mitteln und die Gewährung sozialer Unterstützung,
welche die Rückkehr in ein ziviles Leben ermöglichen.
7. eine Ausweitung des am 2. August 2002 verabschiedeten Gesetzes zur
Regelung von muttersprachlichem Unterricht und Fernsehen. Neben der offiziellen
Amts- und Schulsprache Türkisch muss der muttersprachliche Unterricht
gesetzlich verankert werden.
8. die Beseitigung sämtlicher Hindernisse für die freie Entwicklung
der kurdischen Kultur. Weiterhin fordern wir die dafür notwendige
politische, institutionelle und finanzielle Förderung.
9. die Aufhebung sämtlicher Verbote für kurdisches Fernsehen
und Radio und kurdische Presse und Bücher. Es darf keine Beschränkungen
und Bestimmungen geben, die nicht auch für türkische Publikationen
in der Verfassung und den Gesetzen festgeschrieben sind.
10. keine Beschränkung der Meinungs- und Organisationsfreiheit. Hierfür
sind alle notwendigen Gesetzesänderungen vorzunehmen.
11. die Anerkennung der kurdischen Existenz und Identität in Verfassung
und Gesetz, um so eine vollständige Lösung der kurdischen Frage
zu ermöglichen.
12. eine Beschränkung der Befugnisse der Zentralgewalt zu Gunsten
föderaler Entscheidungsstrukturen sowie die Stärkung der Befugnisse
und Aufgabengebiete von lokalen Entscheidungsträgern.
13. die Stärkung des demokratischen Geistes in Staat, Gesellschaft
und Politik. Hierfür muss eine Politik entworfen und Projekte entwickelt
werden, die eine stärkere Beteiligung der Frauen in sämtlichen
gesellschaftlichen Bereichen und ihre gleichberechtigte und freie Beteiligung
in der Politik ermöglichen.
14. eines gesetzliche und politische Initiative für ein finanzielles
und soziales Sonderprogramm, dass die während des Krieges entstanden
Zerstörungen in Kurdistan und den desolaten Zustand des sozialen
und wirtschaftlichen Sektors behebt.
15. eine gesonderte Sozial- und Finanzpolitik, welche die Verbesserung
der katastrophalen Lage der in den Metropolen lebenden kurdischen Armen
verfolgt.
16. die Bereitstellung von finanziellen und sozialen Programmen,
die allen Armen in der Türkei zu Gute kommen.
17. die Entwicklung von sozialen und kulturellen Projekten sowie
die Gründung von gemeinsamen soziale und kulturelle Institutionen,
welche ein friedliches Zusammenleben des türkischen und kurdischen
Volkes fördern.
18. eine Programmgestaltung im TV und eine Pressegestaltung, welche
die Gesellschaft zum Respekt vor anderen Kulturen und Identitäten
erzieht.
19. eine Überprüfung und Änderung aller Gesetze, die
einer Demokratisierung von Staat, Gesellschaft und Politik im Wege stehen.
Hierbei muss eine auf Mehrheiten basierende aktive Demokratie angestrebt
werden.
20. eine Neuordnung der Entscheidungsstrukturen und bürokratischen
Mechanismen, um diese auf den Dienst am Volk auszurichten.
21. So sehr man sich auch bemüht, die undemokratische Verfassung
von 12. September 1980 zu reformieren, sie wird dennoch keinen demokratischen
Charakter annehmen können. Aus diesem Grund ist eine neue Verfassung
notwendig, die den Bedürfnissen der gesamten Gesellschaft gerecht
wird. Eine solche Verfassung muss sich an den universellen Rechtsprinzipien
orientieren, welche den Menschen und die Umwelt unter ihren Schutz stellen
und die Grundlage eines gesellschaftlichen Friedens sind, der auch die
Interessen der Werktätigen und Armen mit einschließt.
Die von uns oben aufgeführten Punkte halten wir zur Lösung der
kurdischen Frage und im Sinne einer Demokratisierung für unverzichtbar.
Mit ihrer raschen Umsetzung ließe sich eine wirkliche Stabilität
der Türkei erreichen. Andernfalls wird sich das Spannungs- und Konfliktpotential
weiter verschärfen.
Auch wenn unsere seit drei Jahren betriebene Politik für eine demokratische
Einheit zu Entwicklungen geführt hat, die nicht unterschätzt
werden sollten, so ist dennoch das latente Konfliktpotential nicht beseitigt.
Immer noch wird eine Zermürbungspolitik betrieben, die sich unter
dem Motto "Weder Krieg noch Frieden " zusammenfassen lässt,
welche 1970 den Beginn unseres Kampfes ausgelöst hat. In dieser Hinsicht
ist die Skepsis unseres Volkes und unserer Bewegung nicht beseitigt. Dennoch
sind wir entschlossen, unserer Verantwortung gerecht zu werden und weiter
an dem eingeschlagenen Weg festzuhalten, der mit unserer einseitigen Beendigung
des Krieges seinen Anfang nahm. Diesen Weg schlugen wir aus der Überzeugung
ein, dass er den Interessen unserer Völker am meisten nütze.
Deshalb möchten wir die von uns oben aufgeführten Forderungen
für eine demokratische Lösung als Doktrin verstanden wissen,
mit der wir unserer oben genannten Verantwortung nachkommen.
Wenn man sich vor Augen führt, dass die Demokratisierung der Türkei
noch nicht verwirklicht und dass die Spannungsfaktoren nicht beseitigt
sind, welche die Konfrontation weiterhin aufrechterhalten, stehen die
Regierung und alle anderen Verantwortungsträger vor der Aufgabe,
den oben formulierten Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen. Hierbei
kommt auch allen anderen politischen Parteien, zivilgesellschaftlichen
Organisationen, Medien und internationalen Entscheidungsträgern eine
Verantwortung zu.
Mit den von uns oben formulierten Forderungen wollen wir einen Beitrag
leisten bei der Erfüllung der Erwartungen, welche die Gesellschaft
gegenüber der neuen Regierung hegt.
Wir erwarten deshalb von der Regierung, dass sie ihrer Verantwortung nachkommt.
Schließlich rufen wir das türkische und kurdische Volk auf,
diese Deklaration zu unterstützen und mit demokratischen Aktionen
für ihre Umsetzung zu sorgen.
Präsidialrat des KADEK
22. November 2002
(Übersetzung: Internationale Initiative "Freiheit
für Abdullah Öcalan -Frieden in Kurdistan)
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