Augenzeugenbericht der Verschleppung Abdullah Öcalans
Semsi Kilic, ERNK - Europasprecherin, war eine der Begleitpersonendes Vorsitzenden der PKK, Abdullah Öcalan, seit seiner Abreise ausRom am 16. Januar 1999 bis zu seiner Entführung aus Kenia am 15. Februar1999. Nachfolgend dokumentieren wir ihren in MED-TV ausgestrahlten Berichtüber den Ablauf der Ereignisse:
Es ist allgemein bekannt, daß der Parteivorsitzende am
16. JanuarItalien verlassen hat und daß seine Ausreise nach
vielen Gesprächenund Abmachungen mit der italienischen
Regierung erfolgte. Der Parteivorsitzendehatte einige Tage lang
mit direkten Beauftragten DAlemas Diskussionenüber die
Zukunft geführt, wobei mehrere Beschlüsse
gefaßtwurden: Unter anderem gab es die Zusage von
dAlema und der italienischenRegierung, daß Italien
seine Bemühungen fortsetze, um die Voraussetzungenfür
einen Aufenthalt des Parteivorsitzenden in einem Drittstaat
zuschaffen. Da dem Vorsitzenden jedoch auch die Möglichkeit
eines italienischenRegierungssturzes dargestellt worden war,
wollte er die italienische Regierungkeiner weiteren Belastung
aussetzen, da sie dem kurdischen Volk gegenübereine positive
Einstellung gezeigt hatte und ihm selbst während
seinesAufenthaltes in Italien wohlwollend entgegengekommen war.
Um ruhigere Rahmenbedingungenzu schaffen für die in den
europäischen Staaten begonnene rechtlicheEntwicklung und zur
effektiveren Fortsetzung des Diskussionsprozesses,der mit seiner
Reise nach Rom unter den Mitgliedstaaten der
EuropäischenUnion begonnen worden war, entschied sich der
Vorsitzende, Italien zu verlassenund sich eine Zeit lang in
anderen Staaten aufzuhalten.
Am 16. Januar traf er in Moskau ein. Zur Wahrnehmung seiner
eigentlichenAufgaben wollte er nach einem kurzen Aufenthalt zu
seinem Ziel - Europa- zurückkehren. Er beabsichtigte, in den
Niederlanden vor dem InternationalenKriegsverbrechertribunal den
Völkermord des türkischen Staatesam kurdischen Volk
anzuzeigen und die Realität des kurdischen
undtürkischen Volkes und des türkischen Staates
offenzulegen. Erverließ Moskau mit dem Ziel, seine Mission
fortzusetzen: Am 29.Januarreiste er wieder nach Europa, nach
Athen. Dort gab es Treffen mit Verantwortlichen,um Gespräche
zu führen, an denen unter anderen
MinisterpräsidentSimitis, Außenminister Pangalos,
Innenminister Populupolas, der Ministerfür öffentliche
Sicherheit und der Chef des Geheimdienstes Savrakakisteilnahmen.
Über den Inhalt weiterer Gespräche wurde dieser
Personenkreisinformiert. Aufgrund vorangegangener Bemühungen
hatte Athen füreine politische Lösung der
Kurdistanfrage Initiativen ergriffen. Wirhaben während
dieser Zeit die von uns namentlich benannten
Persönlichkeitenals Personen kennengelernt, die sich mit
ihren Initiativen dem kurdischenVolk gegenüber wirklich
solidarisch verhalten. Sie schienen in derLage zu sein, ihm bei
der Verwirklichung seiner Selbstbestimmung
freundschaftlicheUnterstützung zu leisten.
Ich möchte folgendes hervorheben: Keinesfalls möchte
ichin dieser Sache die Regierung als Ganzes einbeziehen. Im
Verlauf der Entwicklunghat sich herausgestellt, daß sich
eine Person, deren Name auch vonAthen genannt worden ist,
tatsächlich an dem internationalen Komplottbeteiligt hatte.
Sie unterhielt mit der Türkei, dem CIA und dem Mossaddirekte
Beziehungen sowohl auf nachrichtendienstlicher Ebene als auch
alsTeilhaber am internationalen Komplott.
Bis zum 30. Januar hielt sich Abdullah Öcalan in Athen auf.
Diegenannten Verantwortlichen machten dem Vorsitzenden
ständig Versprechungen,gaben jedoch auch Garantien: es sei
vieles in positiver Hinsicht machbar,wenn ihnen nur Zeit
eingeräumt würde, um die internationale
Öffentlichkeitund die EU in Bewegung setzen zu können.
Deswegen erwog unser Vorsitzender,nochmals einige Zeit im Ausland
zu verbringen, um dann endgültig inein europäisches
Land einzureisen. Diese Reise bzw. Tragödiewar unmittelbar
durch die griechische Regierung, das heißt von denbereits
genannten griechischen Vertretern vorbereitet worden. Sie
gabenauch das Versprechen, das Asylbegehren unseres Vorsitzenden
anzuerkennen,wofür sie allerdings ein wenig Zeit
benötigten. Mit einem zurVerfügung gestellten Flugzeug
wurde am 30. Januar die Reise nach Minskangetreten, von wo aus
ein anderes Flugzeug den Vorsitzenden und seineFreunde mit nach
Den Haag nehmen sollte. Die Freunde, die Patrioten undunser Volk
werden sich noch sehr gut daran erinnern, da sie zu Hundertenam
Ankunftstag auf den Vorsitzenden in Den Haag am Flughafen
warteten....Bei der Ankunft in Minsk stellte sich heraus,
daß dieses zweite Flugzeuggar nicht existierte. Sieben
Stunden lang saßen wir am Flughafenfest, womit sie
versuchten, die Insassen durch das lange Warten-lassenin einem
defekten Flugzeug bei -20° Frost zum Ausstieg zu bewegen
undden Parteivorsitzenden und seine Begleiter zum
Passagierterminal zu locken.Die Flugzeugbesatzung bekam
während dieser Zeit unmittelbar aus PangalosBüro
die von Simitis gegebene Anweisung, die Besatzung solle den
Parteivorsitzendenund seine Begleiter verlassen und
zurückkehren. Es gab keine Alternative.Es ist völlig
eindeutig, daß in Zusammenarbeit mit dem CIA,Mossad und der
Türkei gehandelt wurde. Nachdem die Freunde sich
weigerten,das Flugzeug zu verlassen, wurde es nach Athen
dirigiert.
Am 31. Januar wurde der Vorsitzende umgehend auf der Insel Korfu
einquartiertund die Verhandlungen begannen von vorn. Einerseits
wollten sie, daßer das Land verläßt;
andererseits hinderten sie Befürchtungenvor dem eigenen, dem
griechischen Volk, das eine freundschaftliche Beziehungzu dem
kurdischen Volk unterhält, daran, ihn direkt auszuweisen
undpreiszugeben. Es fanden weitere Gespräche statt. Pangalos
teilte demParteivorsitzenden mit, ihn persönlich treffen zu
wollen. Er sichertezu, daß bis dahin alles auf der Ebene
des Völkerrechts Erforderlichegetan sein würde. Er
sagte Herzlich Willkommen. Ich bin erfreut,Sie in
Griechenland begrüßen zu dürfen, Sie im Namen
meinesVolkes empfangen zu dürfen. Es war jedoch so,
daß nicht Pangalosselbst kam, sondern daß dieser den
Chef des Geheimdienstes, Savrakakis,schickte, wodurch er seine
eigene Unernsthaftigkeit und Schwäche offensichtlichmachte.
In stundenlanger Diskussion wurde ausgehandelt, den
Aufenthaltsortdes Parteivorsitzenden erneut zu verlegen.
Anweisungen dazu wurden demParteivorsitzenden persönlich
durch Simitis und Pangalos mitgeteilt.Vorbereitungen zur
Bereitstellung eines Flugzeugs wurden getroffen. Alswir mit einem
Militärfahrzeug zum Flugzeug gefahren wurden, durchbrachein
Flügel des Flugzeugs das vordere Fenster dieses Wagens, was
eindeutigVorsatz war. Da man den Parteivorsitzenden nicht einfach
dem MIT ausliefernkonnte, versuchte man, ihn durch einen solchen
inszenierten Unfall zu ermorden.Verantwortlich hierfür sind
Simitis und Pangalos. Die begleitendenkurdischen und anderen
Freunde wurden an Händen und Gesicht verletzt.Wiederum
mußten wir auf die Bereitstellung eines Flugzeuges
warten.Nachdem es da war, wurde uns nur mitgeteilt, daß wir
nach Afrikagebracht würden. Ein Land wurde nicht genannt.
Die Odyssee ging weiter.Am 1. Februar landeten wir in der
Hauptstadt Kenias, Nairobi. Auch demVorsitzenden war der Zielort
vorher nicht genannt worden. Wir hatten vermutet,daß der
Flug nach Südafrika gehen würde, aber dem war nichtso.
Der Vorsitzende wurde im Haus des griechischen Botschafters in
Keniauntergebracht, wo er sich auch bis zum Zeitpunkt seiner
Entführungaufhielt. Ihm wurde folgendes mitgeteilt:
Sie werden sich für dienächsten zwei Monate hier
aufhalten, ohne daß Sie mit Problemenzu rechnen haben. Nach
dieser Zeit der Vorbereitung werden Sie nach
Südafrikaweiterreisen, das keine ablehnende Haltung zeigt.
Die Kontakte und Verhandlungenmit Südafrika werden durch
Griechenland geführt. Wenn die Vorbereitungenbeendet sind,
ist die Einreise dann kurzfristig und problemlos.
Die Tatsachen entsprachen in keiner Weise den Versprechungen. Am
zweitenTag in Nairobi intensivierte sich schon der Druck auf den
Botschafter durchkenianische Staatsbeauftragte, die nur eine
Forderung stellten: der Parteivorsitzendensolle sofort das Haus
des Botschafters verlassen und zur Gewährleistungseiner
Sicherheit an einem geheimgehaltenen Ort, etwa in einer Kirche
odereinem Bauernhof, untergebracht werden. Dann könnten die
notwendigenVorbereitungen getroffen werden, jedoch sein weiterer
Aufenthalt in derBotschaft würde die Aufmerksamkeit auf sich
lenken.
Von außen betrachtet klang das zwar logisch. Aber trotzdem
hatder Parteivorsitzende mit großer Sensibilität und
Voraussichtbeschlossen, das Haus des Botschafters nicht zu
verlassen. Inzwischen wissenwir alle, daß in dieser Zeit
parallel dazu MIT, Mossad und CIA ihreVorbereitungen getroffen
haben. Es wurden Spezialisten eingesetzt, diedas Haus, in dem
sich der Parteivorsitzende befand, das gesamte
Botschaftsgeländeund die Umgebung ständig beobachteten
und filmten. Wir hatten keinedetaillierten Erkenntnisse
darüber, aber wir konnten es vermuten.Es gab intensive
Überlegungen und ständiges Hinterfragen. Indieser Zeit
führte der Parteivorsitzende Gespräche mit
seinemitalienischen Anwalt, der zuvor auch in Griechenland
gewesen war und nuneinen offiziellen Asylantrag für
Griechenland mitnahm. Wir erfuhren,daß sowohl der Anwalt
aus Griechenland als auch der aus Italien amFlughafen aufgehalten
wurden und verstanden, daß das bedeutete, daßsie
wußten, wo wir uns befanden. Wir fragten uns nach dem Grund
fürdie Stille. Uns wurde klar, daß das Schweigen auf
einer Vereinbarungmit Griechenland beruhen mußte. Sie, die
Kidnapper, trafen ihre Vorbereitungenauf verschiedenen Ebenen.
Bis zum Freitag letzter Woche hat sich die Entwicklungzugespitzt
und die nachfolgenden Tage haben unsere Vermutungen
bestätigt.Der Druck nahm zu. Am Freitag riefen die
kenianischen Verantwortlichenden Botschafter in einer dringenden
Angelegenheit zu sich. Der Botschaftergab vor, krank zu sein und
verschob den Termin auf Montag.
Da wir ständig draußen unterwegs waren, um Beziehungen
aufzubauen,bekamen wir viel vom Geschehen mit. In der Botschaft
wurde offensichtlichetwas vorbereitet, was unseren Verdacht
erregte. Es gab heftige Auseinandersetzungenzwischen Einzelnen
und ernsthafte Diskussionen übers Telefon. Diesließ
uns die Gefahr deutlich erkennen. Wir informierten den
Parteivorsitzenden,daß in direktem Auftrag des
Außenministers Pangalos vier griechischePolizisten nach
Nairobi gekommen seien, vorgeblich um ihn zu
schützen,tatsächlich aber bestand der Auftrag dieser
Sicherheitskräftedarin, Abdullah Öcalan zu
betäuben und zu entführen. AbdullahÖcalan begann
Gespräche, er stellte die negativen Konsequenzendar und
forderte, solche Vorhaben sofort zu stoppen, und statt dessen
vernünftigund besonnen zu sein und keine Feindseligkeiten
zwischen den Völkernzu schüren. Pangalos sah sich
gezwungen, seine Polizisten zurückzuziehen.Vorher hatten
unsere Freunde Gelegenheit, mit diesen Polizisten
Gesprächeüber ihre Aufgabe und ihre Auftraggeber zu
führen. Sie antwortetendarauf, daß sie nicht genau
wüßten, wieso, wozu und aufwessen Anweisung hin sie
hier seien, aber daß sie weder ihr eigenesnoch das
kurdische Volk verraten würden. Sie bereiteten sich auf
ihresofortige Rückkehr vor, aber sie wurden am Flughafen von
Nairobi festgenommenund für mehr als 24 Stunden inhaftiert.
Am Samstag und Sonntag kames für alle zu wirklich
schwierigen Momenten. Am Sonntag Nachmittagkamen erneut Vertreter
Kenias und teilten uns mit, daß sich die
Situationnormalisiert habe. Pangalos habe zugesichert, daß
Vorbereitungengemäß internationalem Recht getroffen
würden. Das war natürlichwieder eine große
Lüge. Der Montag dann wurde sowohl fürdas kurdische als
auch für das griechische Volk und für die Menschheitein
schlechter Tag. Am Morgen kam der Botschafter nach dem
Gesprächmit den kenianischen Vertretern mit Versprechungen
zurück, in denenauch Griechenland eine Rolle spielte: Man
habe sich darauf geeinigt, daßAbdullah Öcalan in ein
selbstgewähltes, europäisches Landgeschickt werden
solle, in Begleitung des Botschafters, was als Zeichender
Ehrlichkeit und als Garantie dienen solle. Es sei alles
vorbereitet,er könne sich am selben Tag um 17.30 Uhr auf den
Weg machen, das Flugzeugsei bereit. Die in der Botschaft
befindlichen Freunde teilten den
kenianischenSicherheitskräften mit, daß sie noch
warten sollten, da zweiFreunde sich noch außerhalb der
Botschaft befänden. Als wirankamen, waren Polizisten aus
Nairobi und Einheiten des Geheimdienstesdes Innenministeriums mit
fünf Wagen vor der Botschaftstür. DieVorbereitungen
waren getroffen und sie warteten auf uns, um endlich
loszufahren.Der Parteivorsitzende war bereit und forderte uns
auf, uns so schnell wiemöglich auf den Weg zu machen. An dem
Punkt gab es zwischen uns eineheftige Auseinandersetzung. Wir
sagten, daß wir den Ort nicht verlassenwollen, weil wir ein
Komplott befürchteten und wir keine Sicherheithätten
über den weiteren Verlauf. Ich hatte vorher ein
Telefonatgeführt mit jemandem, der sich vorgeblich für
den Parteivorsitzendeneinsetzt, und von diesem die
ausdrückliche Zusage erhalten, daßalles vorbereitet
sei, es keinen Grund zur Beunruhigung gäbe und wiruns auf
den Weg machen könnten. Sein Verhalten und die im
Hintergrunddes Telefonats zu hörenden Stimmen beunruhigten
uns sehr, und wirsagten ihm: Sag denen, die bei Dir sind,
wir gehen hier nicht raus, wirwerden auf euer Spiel nicht
hereinfallen! Wir beendeten das Gesprächund kehrten
zurück. Wir wußten nicht, welche Möglichkeitenwir
noch hatten. In der Botschaft war die Situation auch unklar, und
wirsagten ausdrücklich, daß wir die Botschaft nicht
verlassen wollen.Aber der Parteivorsitzende wies auf die
Zusicherungen hin, die sie unsgegeben hätten, wir sollten
also gehen und uns nicht so emotionalverhalten. Wir
bedrängten ihn in einer mehr als halbstündigenheftigen
Diskussion. Wir verlangten, den Wagen des Botschafters
fürdie Reise zu nehmen, was dieser auch befürwortete,
denn sowohl indessen Wohnung, als auch in dessen Auto
genießt dieser diplomatischeImmunität, was für
Abdullah Öcalan zwar keine hundertprozentigeSicherheit
bedeutete, aber immerhin Bewegungsfreiheit ermöglichte.Dem
Parteivorsitzenden sollte nicht erlaubt werden, im Auto des
Botschafterszu reisen wegen angeblich getroffener, besonderer
Sicherheitsmaßnahmen.Der Botschafter widersetzte sich dem
lange, der Parteivorsitzende jedochließ sich dazu
drängen, in den vorbereiteten Wagen einzusteigen,da dies den
Abmachungen entspreche. Uns wurde die Fahrt in diesem
Wagenverweigert. In dem Augenblick kam eine Nachricht aus
Pangalos´ Büro:Sie werden euch in irgendein
europäisches Land fliegen, die Zusicherungliegt vor, mit dem
Staat wurde geredet, es gibt kein Problem, ihr
könntlosfahren.
Nach Pangalos Zusicherung entschied der Parteivorsitzende, wir
könntenlosfahren; ehrlich gesagt konnten wir die Haltung des
Parteivorsitzendennicht verstehen. Aber unserer Einschätzung
nach konnte er vieles verstehen.Wir hatten ihn vorher schon
darauf hingewiesen, daß dieses Komplottin Ankara enden
würde und auch er selbst sagte, daß die letztePhase
dieses Komplotts erreicht sei. Wir wollten deshalb die
Botschaftnicht verlassen, da wir große Bedenken hatten,
daß die Reisedes Vorsitzenden in Ankara enden könnte.
Der Parteivorsitzende sagtefolgendes: Auch wenn wir nicht
hinausgehen, werden sie es diese Nachtzu Ende bringen. Nach ihren
Andeutungen scheint es sowieso schon Vorbereitungenin diese
Richtung zu geben. Aufgrund seiner Weitsicht hatte er schon
vielesgeahnt, auch wenn die griechischen Vertreter Simitis,
Pangalos und dieanderen Beteiligten per Telefon garantierten,
alles sei in Ordnung undsicher und wir sollten Ruhe bewahren.
Deswegen beruhigte der Parteivorsitzendeuns vier trotz unseres
vehementen Widerstandes und unseres Versuches,
ihnzurückzuhalten. Er war sich bewußt, daß hier
ein Spielgespielt wurde. Über die ganzen Tage hinweg betonte
er uns gegenüberimmer wieder, daß dies die letzte
Station des Komplotts sein könnteund alle Beteiligten
dadurch kenntlich würden. Aber niemand wollte,daß das
so endet. Sobald sich unser Vorsitzender in dem fürihn
vorgesehenen Wagen befand, wurde uns beim Einsteigen in unsere
Fahrzeugegesagt, daß wir in einer Kolonne fahren
würden. Doch keinervon uns glaubte daran. Der Wagen unseres
Vorsitzenden fuhr los und dieFahrzeuge wurden sofort voneinander
getrennt. Bei unserer Ankunft am Flughafenhaben wir unseren
Parteivorsitzenden in seinem Wagen gesehen, denn unserFahrzeug
befand sich nun direkt hinter dem seinen. Wir wurden vor
einerTür mit der Aufschrift Polizeistation
gestoppt und sofort tauchtenvon allen Seiten Polizisten auf und
umzingelten das Fahrzeug des Vorsitzendenund ließen es
hineinfahren, gleichzeitig wurden wir in eine andereRichtung
abgedrängt. Wir konnten weder aussteigen noch
weiterfahren,da wir von Dutzenden Polizeiwagen umringt waren. In
dem Wagen des Vorsitzendensaßen drei Polizisten. Uns
brachten sie dann zum internationalenFlughafen und ließen
uns dort. Den Wagen des Botschafters wiederumhaben sie ganz
woanders hingebracht. Eine ganze Weile hatten wir wederdie
Möglichkeit den Parteivorsitzenden zu finden noch zu sehen.
Trotzdemsind wir dorthin gerannt, wo wir ihn zuletzt ausgemacht
hatten. Aber eswar zu spät, wir sahen ihn nicht mehr.
Mit dem Botschafter sind wir zu den anderen Freunden
zurückgekehrt.Der Botschafter wollte zu diesem Zeitpunkt mit
mehreren verantwortlichenPersonen Kontakt aufnehmen, aber
merkwürdigerweise gelang ihm diesnicht. Er führte ein
kurzes Gespräch mit Pangalos: Wir sinddauernd in
seiner Umgebung gewesen und wollten unbedingt erfahren, waslos
gewesen ist. Pangalos befahl: Laß die, die bei
dir sind, dortund verschwinde. Doch der Botschafter
ließ uns dort nicht zurück.Wir versuchten,
möglichst viele Informationen zu bekommen und fuhrendanach
zurück in die Botschaft. Ihr Ziel war, entsprechend dem
geplanteninternationalen Komplott zwischen MOSSAD, CIA und Kenia,
den Vorsitzendenin die Türkei zu bringen und die Augenzeugen
des Komplotts danachdurch die kenianische Polizei oder die
dortige Mafia spurlos verschwindenzu lassen, damit die Wahrheit
nicht an die Öffentlichkeit kommt. Dochdas ist ihnen nicht
geglückt. Nach der Rückkehr der Polizistennach
Griechenland machte einer von ihnen sofort öffentlich,
daßihnen vom Außenministerium der griechischen
Regierung der Auftragerteilt worden war, unseren Vorsitzenden zu
betäuben und zu entführenund ihn an einen bestimmten
Ort zu bringen; über den weiteren Ablaufhätten sie
keine Befehle erhalten. Es war klar, daß unser
Vorsitzenderan dem Ort, an dem der Auftrag der griechischen
Polizisten endete, vomtürkischen Geheimdienst (MIT)
übernommen und dann verschlepptwerden sollte. Der Polizist
sagte auch, daß er sich wegen seinerTeilnahme an einer
solchen Aktion schämen würde, er sei keinVerräter
und wolle weder das kurdische noch sein eigenes Volk verraten.Der
Polizist war gleichzeitig Agent des griechischen Geheimdienstes,
derseit langem mit unserem Vorsitzenden in Kontakt stand.
Außer Simitisund Pangalos wollte sich niemand beteiligen an
dem Plan von denen in derRegierung, die ich als GLADIO bezeichne.
Dieses Komplott muß im Zusammenhangmit GLADIO gesehen
werden.
So wurde unser Vorsitzender entführt und in die Hände
destürkischen Staates ausgeliefert. Pangalos versuchte mit
Nachdruck,uns Augenzeugen aus dem Weg schaffen zu lassen oder
zumindest unsere Einreisein sein eigenes Land zu verhindern, da
wir viel zu berichten hätten.Die Erklärungen und
Anweisungen Pangalos´ waren nicht direktan uns gerichtet,
wir hörten und verstanden aber, daß wir ausdem Weg
geschafft werden sollten, gleichgültig, welche
Konsequenzendas hätte. Momentan unternimmt die kenianische
Regierung Anstrengungen,den dortigen Botschafter Griechenlands
des Landes zu verweisen.
Alle an diesem Komplott beteiligten Kräfte müssen vom
griechischenVolk und der internationalen Öffentlichkeit
verurteilt werden. UnserVolk muß über die Tatsachen
genau informiert werden, jedochsollten keine gewalttätigen
Aktionen durchgeführt werden.
Unser Parteivorsitzender hat niemals für Gewalt
plädiert.Es sollten die letzten Anweisungen und
Einschätzungen unseres Parteivorsitzendenbeachtet werden,
daß die PKK, die nationale Befreiungsbewegung, mitihrer
ganzen Kraft, der ganzen Größe und ihrem ganzen
Ansehensich mehr auf der politischen Bühne bewegen solle.
Seine ganzen Bemühungen gingen dahin. Obwohl er sich
überdie geringen Erfolgsaussichten im Klaren war,
beabsichtigte er, mit seinerletzten Reise in die Niederlande dort
vor einem internationalem Gerichtdie türkische Realität
und die Realität des türkischenStaates offenzulegen.
Gleichzeitig machte er Botschaften an Deutschland. Er wies darauf
hin,daß Deutschland seit 15 Jahren gegen unser Volk eine
Kriminalisierungspolitikdurchführt und deshalb die tragende
Säule ist bei den Bemühungen,die PKK in Europa als
terroristisch darzustellen. Er sagte, daß derdeutsche Staat
seine eigene Politik noch einmal überdenken solle
undforderte ihn gleichzeitig auf, ein vorsichtigeres und
verantwortlichesVerhalten zu zeigen. In der letzten Zeit sagte
unser Vorsitzender sogarfolgendes: Falls der deutsche Staat
mich verurteilen möchte, fallser Beweise in der Hand hat,
dann würde ich nach Deutschland gehenund mich den Gerichten
stellen. Wir möchten der ganzen Welt zeigen,in welcher Form
der deutsche Staat uns einen Prozeß machen und zuwelchem
Schluß der führen wird. Wir würden dort der
ganzenWelt die Wahrheit über uns, unser Volk, unsere Nation
und unserenKampf zeigen. Diese Möglichkeit wurde mit
seinen Anwälten, auchdenen in den Niederlanden, sehr
intensiv besprochen. Er war bereit fürein solches Gericht
und für einen solchen Prozeß und nahm an,daß
dadurch die ganze Wahrheit ans Tageslicht gebracht würde.