|
Presseerklärung
der Internationalen Initiative: Ein Akt der Unvernunft - Europäische
Außenpolitik auf Abwegen Internationale Initiative Köln, 13. Mai 2002 An die Redaktionen In- und Ausland / Türkei
/ Kurdistan / Mittlerer Osten Ein Akt der Unvernunft
Seit Dezember 2001, als Konsequenz der Anschläge in den USA vom
11. September, führt die EU eine Liste terroristischer Organisationen,
die halbjährlich aktualisiert wird. Was waren die Gründe? Was hat sich seit Dezember 2001 geändert?
Sie hat ihre Kämpfer aus der Türkei abgezogen. Sie lässt sich nicht provozieren. Sie bleibt auf Friedenskurs.
Der EU-Kandidat Türkei andererseits ist dabei, sich durch sein Verhalten endgültig als solcher zu disqualifizieren. Wer nicht zum Dialog bereit ist, wer Forderungen nach kulturellen Rechten, nach dem Gebrauch und Unterricht in der Muttersprache auf die Agenda der internationalen Koalition gegen den Terror setzen will, der hat in der EU, hat in keiner Gemeinschaft etwas zu suchen. Er ist zur Gemeinschaft mit Anderen und Andersdenkenden gar nicht fähig.
Die Entscheidung der EU ist somit ein Akt politischer Unvernunft, mehr noch: Wer ständig in aller Welt im Namen von Demokratie und Menschenrechten verbal, politisch und zunehmend auch militärisch interveniert, macht sich unglaubwürdig, wenn er auf diese Weise ignorant die Bemühungen einer Bewegung beiseite wischt, die sich seit mehr als zwei Jahren für eine friedliche Beilegung der kurdischen Frage einsetzt und die seitdem auch auf dem Wege der inneren Demokratisierung unverkennbare Fortschritte gemacht hat. Gleichzeitig bestätigt der EU-Beschluss 15 Jahre Unterdrückung der kurdischen Bewegung durch das türkische Regime. Er rechtfertigt rückwirkend 15 Jahre Dorfzerstörung, 15 Jahre Vertreibung, 15 Jahre Rechtlosigkeit. Er rechtfertigt 15 Jahre Terror des Staates gegen eine kurdische nationale Identität. Auch die HADEP, der ohnehin seit langem die Schließung droht wegen angeblicher Unterstützung der PKK, gerät damit in Reichweite der "Antiterrorkämpfer". In diesem Sinne ist die Entscheidung der EU beunruhigend, werden ihre Aufrufe zur friedlichen Austragung von Konflikten, ihre Forderungen nach der Beachtung der Menschenrechte und Einhaltung demokratischer Regeln zu bloßen Lippenbekenntnissen. Die PKK gehört nicht auf diese Liste. Die EU hat wieder einmal die Kurden instrumentalisiert. Diese Entscheidung ist falsch und dient nicht dem Frieden in der Region. Sie muss rückgängig gemacht werden!
|