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Nationales Friedens- und Einheitsmanifest
der PKK
Die Menschheit beginnt das 21.Jahrhundert damit, daß sie sich
noch besser vorbereitet hat, um für ihre Probleme tragende Lösungen
zu finden. Sie ist daher auf dem Weg, ihre Friedens-, Demokratie und Freiheitsabsichten,
angelehnt an die Errungenschaften des letzen Jahrhunderts, auf ein entsprechendes
Niveau zu heben.
Um nicht noch einmal in die Spannungen und Kriege zurückzufallen,
die im 20. Jahrhundert zu so viel Leiden geführt haben, und um ihre
erhabene Absichten zu realisieren, sieht die Menschheit einzig den Weg
des Dialogs und der Übereinkunft als gangbar an. Sie entwickelt die
Strategie, die Taktik und
die Planung dafür und bewegt sich bei der Lösung ihrer Probleme
entsprechend.
Diese Situation bedeutet gleichzeitig den Ausdruck des erreichten Entwicklungsniveaus
der Menschheit. Die gegenwärtige Lage des kurdischen Volks und die
Art, wie es seine nationalen und gesellschaftlichen Probleme zu lösen
versucht, widerspricht jedoch dem sonst auf der Welt erreichten
Niveau. Wenn bei der Lösung der nationalen und gesellschaftlichen
Probleme die Entwicklung der Menschheit als Maßstab genommen wird,
so ist das kurdische Volk offensichtlich in einer rückständige
Lage. Die Strategie und Taktik seines Kampfes war für die Lösung
nicht ausreichend. Wenn auch der
große Kampf auf dieser Basis zu wichtige Entwicklungen geführt
hat, so hat er doch nicht die nationalen Freiheit und die Lösung
der gesellschaftlichen Probleme erlangt. Als Folge dieser Kämpfe
und den durch sie bedingten Entwicklungen zeigte sich jedoch die Erfolglosigkeit
der nationalistischen Vernichtungs- und Verleugnungspolitik der herrschenden
Staaten und zwang sie
zur Entwicklung neuer politischer Strategien.
Aus den genannten Gründen dehnte sich die Suche nach Lösungen
für unsere nationalen und gesellschaftlichen Probleme ins 21.Jahrhundert
hinein aus. Die wichtigsten Hindernisse für die Lösung der kurdischen
Frage, die eines der Hauptprobleme und Grund für die Rückständigkeiten
des Mittleren Ostens bedeutet, ist die Verleugnungs- und Vernichtungspolitik
der herrschenden
Staaten. Diese ist das Produkt aus deren Politik eines Reaktionären,
einengenden Nationalismus einerseits, andererseits aus Eigeninteressen
und Kollaborationen der kurdischen Seite. Diese Art von Politik, die in
Verbindung zu äußeren Kräften entwickelt wird, bietet
nicht nur keine Lösung, sondern führt im Gegenteil zu ständigen
innerkurdischen Auseinandersetzungen. Diese wiederum führen zur starker
Zersplitterung und zu einer Schädigung der nationalen Dynamik.
Solange das kurdische Volk diese schmerzhafte Situation nicht beendet
und diese die nationale Dynamik beschädigenden Auseinandersetzungen
nicht durch inneren Frieden, Demokratie und Einheit ersetzt, wird es kein
Problem lösen können. Alle kurdischen Gruppierungen sehen sich
der Notwendigkeit
gegenüber, diese Auseinandersetzungen zu überwinden und auf
diese Weise nationalen Frieden, Demokratie und Einheit zu erreichen.
Gegenüber dieser absoluten und zwingenden Realität hat sich
gegenwärtig die kurdische nationale Bewegung geteilt. Sie führt
Auseinandersetzungen und entwickelt keine Haltung und Annäherung,
um diese Situation zu überwinden. Wie am Beispiel des internationalen
Komplotts gegen den Freiheitskampf
unseres Volkes in der Person unseres Vorsitzenden Abdullah Öcalan
zu sehen ist, wird ein Teil der kurdischen Bewegung gegen ein anderen
Teil benutzt, um daraus politischen Profit zu ziehen. Diese Art von Verständnis
und Haltungen führt zu militärischen und politischen Auseinandersetzung
innerhalb der kurdischen nationalen Bewegung. Unsere Partei PKK, die man
ebenfalls in eine ähnliche Auseinandersetzung einzubeziehen versucht,
lehnt diese Art von Auseinandersetzungen ab, ebenso wie die Politik, die
dazu führt, und hält beharrlich an nationalem Frieden, Demokratie
und Einheit fest.
Um die kurdische nationale Frage mit den herrschenden Ländern auf
der Grundlage der Friedens-, Demokratie- und Einheitsstrategie lösen
zu können, die inzwischen sowohl auf der Grundlage der internationalen
positiven Entwicklungen als auch der wichtigen Erfahrungen und des Wissens,
die unsere
demokratische nationale Bewegung geschaffen hat, möglich erscheint,
bedarf es dringend des inneren, nationalen Friedens, der nationalen Demokratie
und Einheit. Unsere Partei, die sich ihrer Verantwortung bei der Lösung
der nationalen und gesellschaftlichen Probleme voll bewußt ist,
glaubt daran,
daß der nationale Frieden, die nationale Demokratie und Einheit
auf der Grundlage der Prinzipien und dringenden Maßnahmen, die im
folgenden angeführt sind, erreicht werden können, und sie wird
für die Realisierung der nachstehend ausgeführten Punkte alles
in ihrer Macht stehende unternehmen.
A- Für die Verwirklichung des kurdischen nationalen Friedens:
1- Solange mit der Förderung und Unterstützung der äußeren
Mächte die herrschenden Staaten ihre Vernichtungs- und Verleugnungspolitik
gegenüber dem kurdischen Volk fortführen, ist es zwingend und
legitim, daß die Kurden als Voraussetzung für die Verteidigung
und Entwicklung ihrer nationalen
Interessen bewaffnete Kräfte unterhalten.
2- Die bewaffneten Kräfte unterschiedlicher kurdischer Organisationen,
Institutionen und Persönlichkeiten haben in ihrer Funktion nach außen
gerichtet zu sein und sollen nach Möglichkeit in Form von gemeinsamen
nationalen Kräften vereinigt werden. Diese Kräfte, in Kooperation
mit äußeren Kräften oder für individuelle Interessen
in internen Konflikten
gegeneinander auszuspielen, wird als ein Vergehen gegen die Nation angesehen
und entsprechend durch Sanktionen geahndet.
3- Die Gründe, die zu Verletzungen des nationalen Friedens und zu
Auseinandersetzungen führen, sind die Vernichtungs- und Verleugnungspolitik
der herrschenden Staaten sowie die Interessen- und Kollaborationspolitik
der feudalen Clangruppen. Damit der nationale Frieden erreicht werden
kann, ist es zwingend notwendig, daß alle kurdischen nationalen
Kräfte diese Art von Politik ablehnen und statt dessen auf der Grundlage
politischer Annäherung den Frieden stützen.
4- So, wie ohne nationalen Frieden keine nationale Demokratie erlangt
werden kann, so kann auch ein nationaler Frieden, der sich nicht auf die
Demokratie stützt, nicht echt und beständig sein. Daher ist
es unumgänglich um einen beständigen nationalen Frieden zu erreichen,
daß die nationale Freiheit gewonnen und ein demokratisches System
entwickelt wird. Das ist die
Hauptaufgabe, die allen kurdischen nationalen Kräften bevorsteht.
5- Damit ein nationaler Frieden auf Dauer erreicht wird, ist es wichtig,
daß sich eine Friedenskultur entwickelt und das Volk, angelehnt
an demokratische Maßstäbe, mit einer deratigen Friedenskultur
ausgerüstet wird. Dafür müssen alle kurdischen nationalen
Kräfte in ihre Programme die Entwicklung einer
Friedenskultur aufnehmen und intensiv auf dieser Grundlage arbeiten.
6- Die Lösungen der immer wieder zu Auseinandersetzungen führenden
Probleme sollte nicht auf der Basis der Interessen oder der Politik einer
Gruppe gesucht werden, sondern in nationaler Übereinstimmung und
im Rahmen nationaler Interessen.
B- Um die kurdische nationale Demokratie zu schaffen und zu entwickeln:
1- Die Hauptvoraussetzung für die Umsetzung des demokratischen Zusammenlebens
auf nationaler Ebene ist die Überwindung feudaler Clanstrukturen,
durch die jegliche Art von Geteiltsein und Eigeninteressen begründet
sind. Jede kurdische nationale Kraft sollte, um in richtigen Sinne eine
nationale Kraft werden zu können, eine zutiefst demokratische Annäherung
zur Grundlage nehmen und jegliche feudale Beziehungs- und
Lebensform sowie den aus ihr resultierenden Despotismus ablehnen und aktiv
dagegen ankämpfen.
2- Die unverzichtbare Grundlage der Demokratie ist die Meinungs- und Organisierungsfreiheit.
Jede kurdische nationale Kraft sollte diese Grundannäherung der Demokratie
umsetzen und die Tendenzen der Verbotsmentalität, die aus der nationalen
Verleugnungs- und Vernichtungspolitik der herrschenden Staaten resultieren
sowie die antidemokratische Haltungen, die durch feudale Clanstrukturen
verursacht sind, unbedingt überwinden. Überall in Kurdistan
sollten neben einer totalen Meinungs- und Artikulationsfreiheit auch die
Bedingungen geschaffen werden,
daß alle kurdische Parteien und Organisationen sich frei organisieren
und arbeiten können. Jede kurdische nationale Partei und Organisation
sollte sich diesen demokratischen Grundprinzipien verpflichtet fühlen
und sie umsetzten.
3- Alle kurdischen nationalen Parteien und Organisation sollten sich auf
der Grundlage, daß sie ihre Vielfalt darstellen können, dem
Prinzip demokratischen Zusammenlebens verbunden fühlen. Sie sollten
ferner danach streben, das Trennende so weit zu überwinden, dass
sie auf der Grundlage vielschichtiger Beziehungen gemeinsame politische,
kulturelle, diplomatische
und wirtschaftliche Vereinigungen organisieren und sie durch
Institutionalisierung dauerhaft gestalten.
4- Jede kurdische Partei und Organisation sollte es als nationale Aufgabe
ansehen, die kurdische Demokratie selbst und die demokratischen Kräfte
zu verteidigen, wenn sie von äußeren, antidemokratischen Kräften
angegriffen werden.
5- Jede kurdische Partei und Organisation sollte bei ihren Kritik- und
Meinungsäußerungen innerhalb eines demokratischen Rahmens aufbauend
wirken und sich bloßstellender und provozierender Äußerungen
enthalten.
C- Wie die Beziehungen zu herrschenden Gesellschaften und Staaten
auf der richtigen Grundlage geordnet werden können:
1- In den Beziehungen zu allen Gesellschaftsschichten und staatstragenden
Kräften in denjenigen herrschenden Staaten, die die nationalen demokratischen
Rechte des kurdischen Volkes akzeptieren, sollten Frieden und Freundschaft
als Basis gemeinsamen Lebens und Handelns gelten. Auf der Grundlage demokratischen
Wandels und der demokratischen Lösung der
kurdischen Frage sollte ein freies und freiwilliges Zusammenleben angestrebt
werden.
2- Die Beziehungen zur den herrschenden Staaten sollten auf dem Grundsatz
der Lösung der kurdischen Frage, eines demokratischen System und
freiwilligen Zusammenlebens angegangen werden. Politische Bestrebungen,
die Kurden als taktische Kräfte anzusehen und sie gegeneinander auszuspielen,
sollten abgelehnt werden.
3- Die kurdische nationale Bewegung wird nicht die Probleme, die die herrschenden
Staaten untereinander haben, verstärken oder in die Ausweglosigkeit
führen, sondern zu deren Lösung beitragen und versuchen, diese
Staaten einander näher zu bringen, um schließlich eine demokratische
Union des Mittleren Ostens zu erreichen.
4- Wenn eine kurdische Partei oder Organisation Beziehungen zu einem der
herrschenden Staaten aufbaut, sollte sie nicht eine Haltung einnehmen,
die sich gegen eine andere kurdischen Partei oder Organisation richtet.
Es sollte als nationales Vergehen angesehen und entsprechend sanktioniert
werden, Kontakte zum Nachteil anderer einzugehen. Alle nationalen kurdischen
Kräfte sollten in ihren Kontakten zu benachbarten Gesellschaften
und Staaten eine gemeinsame Haltung einnehmen.
D- Damit die internationalen Kontakte reorganisiert und entwickelt
werden:
1- Internationale Kontakte einer kurdischen Organisation zum Schaden
einer anderen Organisation sollten als Vergehen gegen die gesamte Nation
betrachtet und entsprechende Sanktionen angewandt werden.
2- Nach Möglichkeit sollten die kurdischen Parteien und Organisationen
in den internationalen Beziehungen eine gemeinsame Haltung anstreben und
sich gegenseitig über ihre internationale Kontakte informieren.
3- Die Lösung der kurdischen Frage sollte sowohl für Kurdistan
generell als auch konkret für die jeweiligen Teilen Kurdistans betrachtet
werden, und zum Erreichen einer Lösung auf diese Basis sollte eine
gemeinsame Diplomatie angestrebt werden.
4- Um den Kampf des kurdischen Volkes für Freiheit und Demokratie
allen Völkern der Erde nahe zu bringen und ihre Unterstützung
zu erhalten, sollte eine gemeinsame, breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit
durchgeführt werden
E- Für die Entwicklung der nationalen Einheit:
1- Jede auf der Teilung Kurdistans basierende Haltung und alle Annäherungen,
die aus enger Interessebezogenheit resultieren, die die nationale Entwicklung
und Einheit verhindern und deren Quellen feudale Clanstrukturen sind,
jede Art von Geteiltsein, selbstsüchtigen Annäherungen, regionalen
Haltungen und ausschließlich regionalen Bezügen sollten überwunden
werden.
2- Ohne die nationale Einheit zu erreichen, kann kein nationaler Frieden
entwickelt werden. Aus diesem Grunde sollten, um die Teilung und Zersplitterung
zu überwinden und den nationalen Frieden zu erreichen, alle nationalen
Kräfte sich einheitlich bewegen und gemeinsame Aktivitäten durchführen.
3- Die Demokratisierung der herrschenden Staaten und Gesellschaften hängt
mit der demokratischen Lösung der kurdischen Frage auf der Grundlage
des freien Zusammenlebens zusammen. Es ist trotz bestehender Grenzen möglich,
die kurdischen nationale Kontakte und eine kurdische Einheit zu entwickeln;
jede kurdische Partei und Organisation sollte die nationale Entwicklung
und Einheit auf der Grundlage dieser Grundsätze anstreben.
4- Der Kurdistan Nationalkongress (KNK) sollte zum höchsten Willens-
und Beschlußorgan der Nation entwickelt werden. Keine nationaler
Gruppe sollte außerhalb dieses Kongresses stehen. Alle Gruppen sollten
ihre Vertretung ausreichend in diesem Kongress finden, und diejenigen
Gruppen, die außerhalb des Kongresses bleiben, sollten nicht als
legitim angesehen werden.
5- Unter der Initiative des Kurdistan Nationalkongresses sollte eine nationale
Friedenskonferenz durchgeführt werden. Diese Konferenz sollte auf
der Grundlage der Gemeinsamkeit der kurdischen Nationalbewegung eine demokratische
Lösung anstreben und diese für einen dauerhaften nationalen
Frieden und für ein demokratischen Lebenssystem institutionalisieren.
Kurzfristig notwendige Maßnahmen, damit die Auseinandersetzungen
beendet werden können:
1- Um die Atmosphäre für die Lösung der Probleme mittels
politischem Dialog zu entwickeln, muß zwischen alle Kräften,
die sich in einer militärischen Auseinandersetzung befinden, allen
voran zwischen der KDP, PUK und PKK, ein Waffenstillstand erreicht, Verhandlungen
aufgenommen und ein gegenseitiger
Nicht-Angriffspakt unterzeichnet werden.
2- Alle Kräfte müssen ihre Propagandakriege zur Bloßstellung
und Provokation der anderen einstellen und alle Ptopagandamittel, vor
allem Presse und Medien, sollten in den Dienst des nationalen Friedens
gestellt werden.
3- Die Parteien und Organisationen müssen ihre Existenz gegenseitig
respektieren und sich von Haltungen und Annäherungen fernhalten,
die als Eingriff in inneren Angelegenheiten erscheinen.
4- Als Geste des guten Willens und als Beitrag für die Entwicklung
der Atmosphäre des nationalen Friedens sollten alle Gefangenen bedingungslos
freigelassen werden.
Schluß:
Während wir unser Projekt für nationalen Frieden, Demokratie
und Einheit, in dem wir die Voraussetzungen, Prinzipien und notwendigen
Maßnahmen dargelegt haben, allen nationalen Kräften, unserem
Volk und weiteren interessierten Kreisen zukommen lassen, möchten
wir erneut unterstreichen, daß unsere Partei jedes Opfer bringen
wird, dieses Projekt umzusetzen, das sicher unter Beteiligung der genannten
Zielgruppen noch weiter vervollständigt werden kann. Wir rufen den
Kurdistan Nationalkongress auf, den Inhalt dieses Projektes anzunehmen
und sich auf dieser Grundlage noch aktiver als bisher zu bemühen.
11. September 2000
Parteirat der
Arbeiterpartei Kurdistans (PKK)
Der Parteirat der PKK beschloss
und veröffentlichte am 11.09.2000
(Übersetzung: Kurdistan Informationszentrum)
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