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Inhalt:
Liberal
nach außen, repressiv nach innen
Die Türkei auf der Suche nach ihrem Platz zwischen EU und USA
von
Gerd Schumann
Rückwärts gewandt
Die türkische Präsenz im Irak
von
Karin Leukefeld
Den Dialog aufnehmen
Interview mit Dr. Mahmut Osman, unabhängiger kurdischer
Vertreter im irakischen Regierungsrat
von Cemal Ucar
Besorgnis erregend
Die Lage der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei
von Klaus Happel
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Editorial
Wer Wind
säht, wird Sturm ernten! Dieses Sprichwort scheint in der Türkei
gänzlich unbekannt zu sein. In sämtlichen Belangen der Außenpolitik
steht sie vor einem „Scherbenhaufen“, ohne dass sie sich dessen
bewusst ist.
Ob es die Zypernfrage ist, das Ägäisproblem oder die kurdische
Frage: Immer noch gelten für die Türkei die althergebrachten
Koordinaten der eigenen Außenpolitik.
So als ob der Irakkrieg mit anschließender Besetzung nicht stattgefunden
hätte, wird im Nordirak der alte osmanische Traum von einer Grenze
bis Mosul und Kirkuk verfolgt.
Die Angst vor dem kurdischen Faktor hat sich zur Phobie gesteigert. Sämtliche
kurdischen Bestrebungen nach Selbstbestimmung und Autonomie werden als
Affront gegen die ureigenen nationalen Interessen gesehen. Selbst bescheidene
Forderungen nach mehr Demokratie und Menschenrechten werden stoisch nach
altem Muster als Separatismus verfolgt.
Zwar hat das türkische Parlament ein weiteres Reformpaket verabschiedet,
dass den Einfluss der Militärs beschneidet und eine begrenzte Amnestie
für kurdische Rebellen vorsieht.
In der Praxis jedoch ist selbst von den vorherigen Reformen wenig zu spüren.
Demnach ist die Menschenrechtslage weiterhin katastrophal. Systematische
Folter in Polizeigewahrsam, das „Verschwindenlassen“ von unliebsamen
Oppositionellen und extralegale Hinrichtungen haben sogar wieder zugenommen.
Die nun verabschiedete Teilamnestie gleicht den früheren „Reuegesetzen“.
Nicht die gesellschaftliche Aussöhnung und die Lösung des türkisch-kurdischen
Konfliktes, sondern die Kapitulation von breiten Teilen der kurdischen
Guerillakräfte sind ihr Ziel.
Damit wird eine große Chance zur Lösung des Problems vertan.
Die kurdische Seite hat indes deutlich gemacht, dass dies dem 1999 verkündeten
Waffenstillstand die Grundlage entziehen würde. Mit den veränderten
Verhältnissen im Irak haben sich auch die Bedingungen für den
KADEK geändert. So ist eine Rückkehr in die Türkei unausweichlich.
Mit oder ohne Gewehre.
Dies liegt allein in der Hand der Türkei. Bis zum 1. September 2003
will der KADEK noch abwarten. Sollte dann der türkische Staat keine
klaren Signale hinsichtlich einer Lösung geben, scheint ein erneuter
Waffengang unausweichlich. Ob dies wirklich im Interesse der Türkei
liegen kann, ist mehr als fraglich.
Köln,
im Juli 2003, die Redaktion
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