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Inhalt:
Ein
Schritt vor, zwei Schritt zurück
Der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat seine Möglichkeiten
im Fall Öcalan nicht genutzt
Das
Zeitalter der Demokratie
Abdullah Öcalan legt mit seinem neuen Buch den Versuch einer Kritik
der Zivilisation vom Bau des Ziggurats bis zum Einsturz des World Trade
Centers vor
von Oliver Kontny
Kein
faires Verfahren auf Imrali
Interview mit Irfan Dündar, Rechtsanwalt von Abdullah Öcalan
von John Tobisch-Haupt
Die
Kernfrage nicht berührt...
Zum Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
im Fall Öcalan
von
Rainer B. Ahues
Ein
Glied in einer langen Kette
HADEP: Zum 26. Mal wurde in der Türkei eine Partei verboten
von
Klaus Happel
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Editorial
Während die Bomben auf Bagdad regnen, ergeht sich die Türkei
in Selbstgefallen. "Rien ne va plus - Nichts geht mehr": den
Kriegsanleihenpoker um den Irak scheint der türkische Ministerpräsident
Erdogan verloren zu haben. Allzu lange reizte er seine Trümpfe aus,
die er hinsichtlich der eigenen geostrategischen Lage in den Händen
zu halten glaubte. Die Dollarmilliarden sind hinfällig, die in Aussicht
gestellten Zugeständnisse an die Türkei hinsichtlich Süd-Kurdistans
(Nord-Irak) wie trockener Wüstenstaub zerstoben, die türkische
Börse im Tiefflug begriffen. Trotzdem ist die Türkei auch weiterhin
zum Einmarsch entschlossen. Die für die Türkei zur Phobie gewordene
kurdische Frage beraubt sie jeglicher Fähigkeit zum klaren Denken.
Selbst das kleinstmögliche Zugeständnis an die Kurden stellt
demnach ein Horrorszenario dar. Schon jetzt gilt ein erneuter türkisch-kurdischer
Konflikt als wahrscheinlich. Schon im Vorfeld des amerikanischen Irakfeldzuges
hat sich die Menschenrechtslage in der Türkei dramatisch verschlechtert.
Folter, das Verschwindenlassen von Oppositionellen und Beamtenwillkür
sind an der Tagesordnung. Vorläufiger Höhepunkt ist das Verbot
der pro-kurdischen HADEP verbunden mit dem drohenden Verbot ihrer Nachfolgepartei
DEHAP.
Indes verkündete der Europäische Gerichtshof füt Menschenrechte
(EHCR) sein Urteil im Fall Öcalan. Auch hier macht die Türkei
keine gute Figur. Die massenhaften Solidaritätsbekundungen bei den
diesjährigen Newrozfeierlichkeiten in der Türkei zeigen, dass
auch weiterhin mit dem Kurdenführer gerechnet werden muss. Eine Lösung
in diesem Fall steht weiterhin noch aus.
Ob der Irakkrieg mehr Stabilität in die Region tragen wird bleibt
mehr als fraglich. In Zeiten des Krieges haben demokratische Bestrebungen
erfahrungsgemäß nur wenig Chancen. Jedoch schon jetzt steht
fest, dass der Krieg langfristig die gesamte Region verändern wird,
also auch die Türkei. Sie allein hat es in der Hand, ob sie über
das Einvernehmen mit ihren Bürgern, den Anforderungen der neuen Zeit
gerecht wird. Die Lösung der kurdischen Frage ist hierfür eine
Voraussetzung. Andernfalls könnte sie das Schicksal ereilen, vor
dem sie sich so sehr fürchtet. Am Ende müssen die Türken
mit den Kurden zusammenleben. Wenn das nicht gelingt, ist früher
oder später die Existenz des türkischen Staates bedroht.
In dieser Ausgabe außerdem ein Interview mit Irfan Dündar,
Anwalt von Abdullah Öcalan, eine Bewertung des ECHR-Urteils von Rainer
Ahues, eine Buchbesprechung von Oliver Kontny zur deutschen Ausgabe von
Abdullah Öcalans "Gilgameschs Erben" sowie ein Artikel
zum Thema HADEP-Verbot.
Köln,
im März 2003, die Redaktion
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