|
Inhalt:
Warum
gerade Öcalan
von John Tobisch-Haupt, Sprecher der
Internationalen Initiative Freiheit für Abdullah Öcalan
- Frieden in Kurdistan
Profite
über Leichen
Eine Analyse der deutschen Rüstungsexportpolitik am Beispiel der
Türkei
von Jürgen Grässlin und Alexander Kauz
Am
Ende müssen sie zusammenleben
Die Türkei braucht einen demokratischen Umbau
Interview mit Uri Avnery
Die
politische Krise in der Türkei
Kaum ein Feld der Politik, auf dem es keine Probleme gibt - und Versagen
der Politiker angesichts notwendiger Reformen
von Karin Leukefeld
Bis
zu sieben Jahre Haft für Öcalan Anwälte
Öcalan-Anwälte als Angeklagte vor dem Staatssicherheitsgericht
in Istanbul
|
Editorial
Newroz
gilt den Kurden als nationaler Feiertag. Weder Repression noch andere
Hindernisse bringen sie davon ab, das traditionsreiche Neujahresfest zu
begehen, das auch von anderen Völkern des Mittleren Ostens gefeiert
wird. In der Vergangenheit war es immer auch Anlass, der eigenen kulturellen
und politischen Identität Ausdruck zu verleihen. Auch das diesjährige
Newrozfest verlief in dieser Tradition. Allein in Diyarbakir, heimliche
Hauptsstadt der Kurden, begingen über 750.000 Menschen friedlich
ihren Feiertag. Aber auch in anderen Städten war eine hohe Beteiligung
zu verzeichnen. Nur in Mersin kam es zu heftigen Zusammenstössen
mit den Sicherheitskräften, die das dortige Verbot durchsetzen wollten.
Auf beiden Seiten waren Tote und eine große Anzahl von Verletzten
das traurige Fazit. Dies zeigt, dass Verbote und Verleugnung unweigerlich
zur Konfrontation führen.
Die kurdischen Forderungen nach Anerkennung ihrer kulturellen Identität
und Zuerkennung ihrer Menschenrechte werden vom türkischen Staat
immer wieder als separatistische Untriebe diffamiert. Deren gewaltsame
Unterdrückung sind jedoch das, was für eine Spaltung der Gesellschaft
sorgt. Nach wie vor können sich die türkischen Eliten nicht
von ihrem anachronistischen Denken aus dem letzten Jahrhundert lösen.
Dieses versuchen sie auch immer wieder ihrem Gegenüber im Beitrittsprozess
zur EU aufzuoktroyieren.
Prinzipiell ist gegen einen kritischen Dialog mit der Türkei
nichts einzuwenden. Die EU jedoch verhält sich hier all zu oft zu
nachsichtig. Eine deutlichere Positionierung wäre dem Demokratisierungsprozess
in der Türkei dienlich.
Diese Auffassung teilten in ihren Ansprachen auch die Abgeordneten, die
am Empfang der Internationalen Initiative am 6. März im Europaparlament
teilnahmen. Die Türkei müsse die Beitrittskriterien vollständig
erfüllen, bevor eine Aufnahme in die EU in Betracht käme. Menschen-
und Minderheitsrechte, die Abschaffung der Todesstrafe und ein demokratisches
Rechtswesen dürften nicht Gegenstand von Verhandlungen sein.
Die Türkei muss sich also ändern, sonst tritt unweigerlich das
ein, was für sie zur institutionalisierten Phobie geworden ist: der
Niedergang durch Zersplitterung. Nur der Ausgleich zwischen den Völkern
auf dem Staatsgebiet der Türkei wird sie vor diesem Schicksal bewahren.
Weiterhin in dieser Ausgabe: Uri Avnery (Alternativer Friedensnobelpreis
2001), Sema Piskinsüt (ehem. Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses
im türkischen Parlament), Alexander Kauz, Jürgen Grässlin
und andere.
Köln, im März 2002, die Redaktion
|