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Inhalt:
Ein
schwieriger Kandidat
Die Türkei will die Mitgliedschaft, ohne die Kriterien zu erfüllen
Von Karin Leukefeld
Türkei,
Menschenrechte und EU
Fragen an Norbert Blüm
Der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und der Fall Öcalan
Von Aysel Tugluk, Mitglied im Team der Verteidiger von Abdullah
Öcalan
Wir
wollen eine Welt ohne Krieg und Gewalt
Fragen an Duran Kalkan
Der
Weg ist noch weit
Zu den Verfassungsänderungen in der Türkei und zum Fortschrittsbericht
des Europäi-schen Parlamentes
Von Klaus Happel
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Editorial
Kaum
waren die Zwillingstürme des World Trade Centers zusammengegestürzt,
kaum die unschuldigen Opfer beklagt und der erste Schock über die
apokalyptische Dimension der schrecklichen Angriffe vom 11. September
2001 überwunden, da wurde ein Fernsehreporter des CNN mit den Worten
kolportiert , dass von heute an die Zivilgesellschaft an Illusionen
ärmer sei und die Welt wohl etwas kriegerischer werde. Wenn
dies auch zunächst etwas euphemistisch scheint - schon vor dem neuerlichen
Afghanistankrieg wurden Dutzende von bewaffneten Konflikten gezählt
- so scheint der betreffende Journalist doch Recht behalten zu haben.
Internationale Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International
beklagen eine weltweite Tendenz, rechtsstaatliche Prinzipien und bürgerliche
Rechte weitgehend der erklärten Bekämpfung des Terrorismus
opfern zu wollen. Stabilität und Sicherheit werden jedoch nur dann
dauerhaft gewährleistet sein, wenn ein langfristiger Ausgleich in
den reichlich vorhandenen und komplexen Konfliktpotentialen dieser Erde
angestrebt wird. Anstatt militärischen Lösungen den Vorzug zu
geben, müssen langfristig Menschenrechte und Demokratie gefördert,
Konflikte durch zivile Lösungsansätze beigelegt werden.
DIese Notwendigkeit vor Augen scheint es umso wunderlicher, wenn die internationale
Staatengemeinschaft Friedensinitiativen, wie die der kurdischen Seite
im türkisch-kurdischen Konflikt, weiterhin schlichtweg ignoriert.
So zeichnet sich die deutsche Politik darin aus, diesem Problem bewusst
aus dem Weg zu gehen. Obwohl mit einem hausgemachten Kurdenproblem
konfrontiert - die Betätigung der PKK ist seit 19993 verboten - gefallen
sich zuständige Politiker in Nichtverhalten. Repressive Maßnahmen,
wie erst kürzlich die Verhaftung des kurdischen Politikers Sahin
Engizek, bekannt für sein vehementes Eintreten für eine friedliche
Lösung der kurdischen Frage, sind ganz sicher kein positives Signal
an die Türkei, auf dem Beitrittsweg zur Europäischen Union die
Reformen zügig voranzubringen. Der letzte Fortschrittsbericht der
EU über den Beitrittskandidaten Türkei spiegelt diese Dilemma
wider. Nach wie vor ist die Menschenrechtslage katastrophal, werden notwendige
Reformen verschleppt oder nur halbherzig umgesetzt.
Auch in der vorliegenden Ausgabe werden die oben angesprochenen Themen
behandelt, in Beiträgen von Dr. Norbert Blüm, Aysel Tugluk,
Karin Leukefeld und Klaus Happel. Insbesondere möchten wir uns beim
Comitè du Kurdistan in Brüssel bedanken, dass uns das Interview
mit dem Präsidialratsmitglied der PKK, Duran Kalkan, vermittelte,
in dem die internationale Lage nach dem 11. September aus kurdischer Sicht
beleuchtet wird.
Köln, im November 2001, die Redaktion
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